Zusammenfassung
Prekäre Lebenssituationen sind neben Erwerbslosigkeit, Erwerbsarmut, oft
ungesicherten Wohnverhältnissen und erhöhter Morbidität nicht selten zusätzlich
auch durch eine fehlende oder unzureichende Krankenversicherung gekennzeichnet.
In der Bundesrepublik Deutschland lebt eine nur schwer quantifizierbare Zahl von
Personen, die aus unterschiedlichen Gründen über einen nur eingeschränkten oder
überhaupt keinen Krankenversicherungsschutz verfügt. Dazu zählen Deutsche,
EU-Bürger*innen, Personen aus Drittstaaten, Wohnungs- und Obdachlose sowie
Personen ohne Papiere. Die gesundheitliche Versorgung der Betroffenen erfolgt
häufig weitgehend außerhalb des Regelsystems. Seit einigen Jahren gibt es in
einigen Bundesländern und Kommunen zusätzliche Projekte, um diesen
Problembereich durch Clearingstellen und/oder Kostenübernahmen für die
gesundheitliche Versorgung anzugehen und Übergänge in die Regelversorgung zu
schaffen. Im vorliegenden Beitrag werden fünf dieser Projekte hinsichtlich ihrer
Struktur und Arbeitsweise vergleichend untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass
vielen Menschen damit geholfen werden kann, allerdings muss für eine Deckung des
hohen und weiter zunehmenden Bedarfs neben der sicher notwendigen Ausweitung und
Verstetigung der Projekte auch an umfassenderen Lösungen gearbeitet werden.
Gleichzeitig sollten die statistischen und epidemiologischen Datengrundlagen
dringend verbessert werden.
Abstract
In addition to unemployment, poor living and housing conditions and increased
morbidity, precarious living situations are often characterized by a lack of or
inadequate health insurance. In the Federal Republic of Germany, there is a
difficult-to-quantify number of people who, for various reasons, have only
limited health insurance coverage or none at all. Those affected include German
citizens, EU citizens, and non-EU-citizens who are frequently homeless and/or
undocumented. Health care for those groups is predominantly provided outside the
German health care system by voluntary non-governmental and welfare
organizations. Several German states and municipalities together with
non-governmental organizations have addressed this problem by establishing
clearing centers often combined with cost reimbursement for medical treatment.
In this article, five of these projects are analysed and compared with each
other with regard to their structure and mode of operation. The results show
that many people can be helped in this way, but in order to meet the high and
increasing demand, effort must be put towards more comprehensive solutions as
well as on the expansion and sustainability of these projects. At the same time,
there is an urgent need to improve statistical and epidemiological data.
Schlüsselwörter
Personen ohne Krankenversicherung - Medizinische Versorgung - Ehrenamtliche medizinische Hilfssysteme - Wohlfahrtsorganisationen - Clearingstellen
Key words
Individuals without health insurance - Medical care - Volunteer medical assistance systems - Charities - clearing centres