Zusammenfassung
Um den Zusammenhang zwischen Miasmen und Krebs besser zu verstehen,
ist ein Rückgriff auf wissenschaftstheoretische Diskussionen hilfreich.
Dies versteht sich gleichzeitig als Beitrag zum Selbstverständnis der
Homöopathie als hermeneutischer Erfahrungswissenschaft.
Summary
For a better understanding of the possible connection between miasms
and cancer it might be helpful to reflect on the philosophical theory of
science. This means at the same time a contribution to the self-assurance of
homeopathic medicine as hermeneutical science of experience.
Schlüsselwörter
Miasmen - Krebs - Wissenschaftstheorie - Hermeneutik - Methode
Keywords
Miasms - cancer - philosophical theory of science - hermeneutics - method
Literatur
-
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-
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Anmerkungen
01
[11: 102]; [Hervorhebung im Original].
02 Als Quelle wird auf einen Text von Paul Watzlawick verwiesen. Nun
darf Watzlawick, Psychologe und Psychotherapeut, keinesfalls als Autorität
für wissenschaftstheoretische Fragen in Anspruch genommen werden.
Watzlawick hat hier im zitierten Zusammenhang die Popper’sche Position
(bzw. was er dafür hält) aufgegriffen und unkritisch
wiedergegeben.
03 „Es sind ja immer gewisse Auswege möglich, um einer
Falsifikation zu entgehen – etwa ad hoc eingeführte Hilfshypothesen
oder ad hoc abgeänderte Definitionen; ist es doch sogar logisch
widerspruchsfrei durchführbar, sich einfach auf den Standpunkt zu stellen,
dass man falsifizierende Erfahrungen grundsätzlich nicht anerkennt. Zwar
pflegt der Wissenschaftler nicht in dieser Weise vorzugehen; aber, logisch
betrachtet, ist ein solches Vorgehen möglich, und damit erscheint der
logische Wert des vorgeschlagenen Abgrenzungskriteriums [das
Falsifizierungspostulat, W. W.] zumindest als fraglich”
[14: 16].
04 Oeser spricht hier vom axiomatisch-deduktiven Stadium einer
Wissenschaftsentwicklung: ob eine Beobachtung wahr ist oder nicht, lässt
sich erst im Rahmen einer Theorie entscheiden. Musterbeispiel hierfür ist
die Einstein’sche Relativitätstheorie [12: 225
ff.].
05 Die homöopathische Krebsprophylaxe weist damit in vielen
Fällen deutlich über den Rahmen einer bloßen
Konstitutionstherapie hinaus und wird zu einer Herausforderung ganz eigener und
besonderer Art. In einer in Arbeit befindlichen Monographie widme ich mich
diesem Problemfeld.
Dr. Wolfgang Würger
Prinz-Eugen-Str. 1
79102 Freiburg
Email: info@praxis-dr-wuerger.de