Zusammenfassung
Gerechte Verteilung wichtiger Ressourcen war bisher kaum Thema in
der Pflege. Dabei wird vor allem die Zeit des Pflegepersonals immer knapper und
muss bewusst verteilt werden. Auch ohne extremen Zeitdruck und Sparzwänge
gehört das Verteilen von pflegerischen Ressourcen zur Pflegearbeit dazu.
Bisher geschieht dies überwiegend intuitiv und nach unreflektierten, zum
Teil unfairen Grundsätzen. Mögliche Verteilungskriterien wie das
Nutzen-, das Gleichheits- oder das Bedürfnisprinzip bieten zwar
Orientierung, müssen aber in konkreten Situationen gegeneinander abgewogen
werden. Pflegekräfte sollten sich daher offen und (selbst-)kritisch mit
den oft unbewussten Grundsätzen beschäftigen, nach denen in der
Pflege Medikamente, Therapien, Pflegematerialien und vor allem Zeit verteilt
werden.
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47 GG. Art. 3 Abs. 1 GG. „Alle Menschen sind vor dem Gesetz
gleich”
01 Im Katastrophenfall wird allerdings zunächst eine
Unterscheidung der Patienten anhand von Dringlichkeitskriterien (Triage)
durchgeführt. Erst dann werden Patienten mit gleicher Dringlichkeit nach
dem Zufallsprinzip behandelt. Vgl. zu möglichen Triageverfahren und einer
kritischen Betrachtung dazu Brech A. Triage und Recht. Patientenauswahl beim
Massenanfall Hilfebedürftiger in der Katastrophenmedizin. Ein Beitrag zur
Gerechtigkeitsdebatte im Gesundheitswesen. Duncker & Humblot. Berlin.
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02 Dieser Beitrag baut auf den Ergebnissen der bisher
unveröffentlichten Diplomarbeit mit dem Titel „Gerechte Verteilung
von Zeit in der stationären Altenpflege. Philosophische und pflegeethische
Beiträge zur distributiven Gerechtigkeit in der Pflegepraxis” vom
Oktober 2009 an der Universität Bremen auf.
Agnes-Dorothee Greiner
Email: agnes-greiner@web.de