Zusammenfassung
Hintergrund und Fragestellung: Viele
Krankenhäuser haben einen Endoskopie-Hintergrunddienst,
um rund um die Uhr eine endoskopische Versorgung zu gewährleisten.
Das Bereitstellen derartiger Leistungen für den Notfall
wird durch den Kostendruck im Gesundheitssystem infrage gestellt.
Daten zur Inanspruchnahme des Endoskopie-Hintergrunddiensts außerhalb
der regulären Arbeitszeiten liegen für Deutschland
nicht vor.
Methoden: Vom 26.7.2003 bis zum 1.11.2009 wurden
während 6 Jahren und 3 Monaten alle in unserem Krankenhaus
außerhalb der regulären Arbeitszeiten anfallenden
Endoskopien protokolliert. Die vorhandenen Daten wurden retrospektiv
ausgewertet.
Ergebnisse: In unserem Krankenhaus,
einem universitären Zentrum der Maximalversorgung mit 575
Betten und einem Einzugsbereich von ca. 100 000 Einwohnern,
wurden im Beobachtungszeitraum 315 endoskopische Untersuchungen
außerhalb der regulären Arbeitszeiten (18 – 8
Uhr) durchgeführt. Dies entspricht 50 Endoskopien pro 100 000
Einwohner pro Jahr. 56,8 % der Endoskopien fanden
an einem Samstag oder Sonntag statt. In der Nacht (von 22 – 8
Uhr) wurden insgesamt 26,7 % aller Untersuchungen
durchgeführt. Als endoskopische Untersuchungen wurden durchgeführt: Ösophago-Gastroduodenoskopie
(ÖGD) (n = 228, 72,4 %),
partielle Koloskopien oder flexible Rekto-Sigmoidoskopien (n = 42, 13,3 %),
endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) oder
endoskopische retrograde Cholangiographie (ERC) (n = 28,
8,9 %), komplette Koloskopien (n = 16,
5,2 %) sowie eine orale Intestinoskopie. 208 (66 %)
aller Untersuchungen erwiesen sich als rein diagnostisch. Bei 243
der 315 Untersuchungen war die Indikation dokumentiert. Bei 76,5 % dieser
Untersuchungen war der Verdacht auf eine gastrointestinale Blutung
die Indikation zur Endoskopie.
Folgerung: Im internationalen Vergleich
wurden an unserem Krankenhaus relativ viele Endoskopien pro 100 000
Einwohner pro Jahr außerhalb der regulären Arbeitszeiten
durchgeführt (Herne: 50, Großbritannien: 26,7,
Norwegen: 24). Unklar ist, ob der verhältnismäßig
permissive Umgang mit dieser Ressource nachteilig oder vorteilhaft
ist, was die Morbidität und Mortalität der Patienten,
den Verbrauch an Blutprodukten, die Dauer des Krankenhausaufenthalts
oder die Therapiekosten angeht. Dies sollte in weiteren Studien
geklärt werden.
Abstract
Background and objective: Many acute
care hospitals provide round-the-clock emergency endoscopy to guarantee
immediate diagnosis and treatment of acute conditions of the gastrointestinal
tract. This study is the first one to assess the demand for emergency
endoscopy outside usual working hours.
Patients and methods: This study evaluated
retrospectively 315 consecutive emergency endoscopies done at an
acute care hospital (575 beds; catchment population 100,000, in
the Ruhr area of Germany) between 26.7.2003 and 01.11.2009
(6 years and 3 months) outside usual working hours (i.e. during
the weekend and from 6 pm to 8 am during weekdays). This represents
50 emergency endoscopies outside working hours per 100,000 people
per year.
Results: 56.8 % of
the examinations took place during the weekend (Saturday or Sunday),
26.7 % during the night (10 pm – 8 am).
The distribution of the different endoscopic modalities was: 228
EGD (72.4 %), 42 incomplete colonoscopies or recto-sigmoidoscopies
(13.3 %), 28 retrograde cholangio- or cholan-giopancreatographies
(8.9 %), 16 complete colonoscopies (5.2 %) and
one oral enteroscopy. 208 (66%) of endoscopic procedures were
purely diagnostic without any therapeutic intervention. The indication
for endoscopy was documented in 243 of the 315 procedures. In 76.5 % of
those cases the suspicion of a gastrointestinal bleeding was the
indication for endoscopy.
Conclusion: In an acute care hospital
in Germany 50 emergency endoscopies outside working hours were performed
per 100,000 population per year. This rate exceeds that reported
in other European countries (Great Britain: 26.7, Norway: 24). Further
studies are needed to evaluate the impact of different emergency
endoscopic strategies on patient outcome and treatment costs.
Schlüsselwörter
Endoskopie - Bereitschaftsdienst - Notfall - Endoskopie außerhalb der regulären
Arbeitszeiten - gastrointestinale Blutungen - gastroenterologische Notfälle
Keywords
round-the-clock endoscopy - endoscopies outside working hours - gastrointestinal bleeding - emergency gastroenterology