Beschwerden im Kiefergelenk gehen häufig mit Schmerzen in der HWS einher – und umgekehrt.
Doch die Nackenflexoren scheinen bei Patientinnen mit kraniomandibulärer Dysfunktion
(CMD) genauso kräftig zu sein wie bei Gesunden.
Das ist das Ergebnis einer Querschnittsstudie der Physiotherapeutin Susan Armijo-Olivo
und ihren Kollegen von der Fakultät für Rehabilitationsmedizin der Universität von
Alberta in Edmonton, Kanada. Das Forscherteam untersuchte 149 Frauen zwischen 18 und
50 Jahren mit myogener oder myo- und arthrogener CMD, die seit mindestens drei Monaten
unter Schmerzen in der Kaumuskulatur litten. Es überprüfte, ob die Probandinnen ein
schmerzhaftes Knacken oder Krepitationen im Kiefergelenk hatten. Für die Dokumentation
der Nacken- und Kieferschmerzen füllten alle Teilnehmerinnen den Neck Disability Index
und die Jaw Function Scale aus. Anschließend ermittelten die Therapeuten die Kraft
der Nackenflexoren: Die Frauen lagen mit angestellten Beinen auf dem Rücken, der Nacken
befand sich in einer neutralen Position und die Hände waren auf dem Brustkorb abgelegt.
Ihr Kopf wurde mit einem Band fixiert, gegen das die Probandinnen anspannten. Ein
spezieller Apparat mit einer Kraftmesszelle ermittelte die Muskelkraft, während die
Frauen zwei Mal für fünf Sekunden ihre Nackenflexoren maximal anspannten.
Das Forscherteam stellte fest, dass die Kraft der Nackenflexoren in den verschiedenen
Gruppen gleich war. Auch einen Zusammenhang zwischen der Kraft und den funktionellen
Einschränkungen des Kiefergelenks konnten die Autoren nicht nachweisen. Susan Armijo-Olivo
und ihre Kollegen empfehlen, in zukünftige Studien Patienten einzuschließen, die größere
funktionelle Einschränkungen im Kiefergelenk haben.
hebe
Arch Phys Med Rehabil 2010; 91: 1236–1242