Zusammenfassung
Ziel der Studie:
Gesundheitsrelevantes Verhalten ist auch von gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen geschlechterangemessenen Verhaltens geprägt. Diese Normen unterliegen einem zeitlichen Wandel. Zielsetzung dieses Beitrags ist es, Geschlechterdifferenzen in gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen von Jugendlichen im zeitlichen Trend zu beschreiben und mit Bezug auf sozialkonstruktivistische Theorieansätze zu interpretieren.
Methodik:
Die Trendanalysen beziehen sich auf die deutschlandweiten Daten der Health-Behaviour in School-aged Children (HBSC)-Surveys aus den Jahren 2001/02, 2005/06 und 2009/10 zu den gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen Tabakkonsum, Rauschtrinken, Diätverhalten, Gemüse- und Obstkonsum, Häufigkeit des täglichen Frühstücks sowie körperliche Aktivität. Es werden dabei Häufigkeitsdifferenzen zwischen Jungen und Mädchen und mittels binärer logistischer Regressionsmodelle die geschlechterspezifischen zeitlichen Trends in verschiedenen gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen betrachtet.
Ergebnisse:
Geschlechterunterschiede im Tabakkonsum und Rauschtrinken sind kaum noch sichtbar bzw. verringern sich über die Zeit. Relativ stabile Geschlechterunterschiede bestehen für das Ernährungsverhalten sowie die körperliche Aktivität.
Schlussfolgerungen:
Aus sozialkonstruktivistischer Perspektive scheint eine klare geschlechtliche Konnotation des Verhaltens vor allem beim Tabak- und Alkoholkonsum nicht mehr gegeben. D. h., entsprechende Risikoverhaltensweisen scheinen heute zunehmend weniger geeignet, sich als maskulin darzustellen. Eine geschlechtersensible Ausgestaltung von Präventionsmaßnahmen sollte nicht nur deskriptive Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen berücksichtigen, sondern muss diese auch theoretisch (z. B. sozialkonstruktivistisch) verankern.
Abstract
Objective:
Health behaviours are influenced by gender-specific conceptions and norms of the society. These conceptions and norms are changing over time. The aim of this analysis is to describe gender differences in health behaviour of adolescents and to interpret these gender differences in terms of theories of social construction.
Methods:
We used the national German data of the Health-Behaviour in School-aged Children (HBSC) studies conducted in the years 2001/02, 2005/06 und 2009/10 with respect to the following health behaviours: tobacco use, binge drinking, diet, fruit and vegetable consumption, daily breakfast and physical activity. We describe the difference in frequencies between girls and boys and used a series of logistic regressions to test the significance of the gender difference in health behaviours with survey year as the predictor.
Results:
There is only a small difference between girls and boys with respect to tobacco use and binge drinking. For binge drinking girls nearly converge with the figures of boys. Relatively stable gender differences over time are existing for diet, nutrition and physical activity.
Conclusion:
From a theoretical gender perspective it might be possible that with respect to risky behaviours like tobacco use and alcohol consumption a clear gender specific connotation has changed over time. In other words risk behaviours become less important in presenting oneself as masculine. A gender sensible development of preventive interventions should consider the changes over time of gender-related social constructions.
Schlüsselwörter
gesundheitsrelevantes Verhalten - Trends - HBSC - Sozial-Konstruktivismus
Key words
health behaviours - time trends - HBSC - social constructivism