Zusammenfassung
Ziel dieser Untersuchung:
Klinische Studien gelten aufgrund hoher Anforderungen an Qualität und Patientensicherheit als aufwändig und stellen in der Primärversorgung in Deutschland bislang die Ausnahme dar. Ziel dieser Untersuchung war die Erfassung von Teilnahmebereitschaft, Förder- und Hemmfaktoren von Hausärzten für eine Teilnahme an klinischen Studien, um auf dieser Basis die Planung und Durchführung weiterer Studien optimieren zu können.
Methodik:
Teilnehmer regionaler hausärztlicher Fortbildungsveranstaltungen wurden mittels eines selbstentwickelten, standardisierten Fragebogens befragt. Die Identifikation von Prädiktoren künftiger Studienteilnahme wurde anhand von Regressionsanalysen durchgeführt.
Ergebnisse:
Es beteiligten sich 408 von 804 (50,7%) der angefragten Hausärzte an der Befragung (51±9 Jahre, 35% weiblich), davon konnten sich 69% generell zukünftig eine Studienteilnahme vorstellen. Signifikante Einflussfaktoren (OR, CI; P-Wert) waren dabei „praxisrelevante Fragestellungen“ (2,25, 1,61–3,14;<0,001) und „neue Herausforderungen/Abwechslung vom Alltag“ (2,24, 1,67–2,97;<0,001). Während 58% der Teilnehmer eine „grundsätzliche Teilnahmebereitschaft“ an einer GCP-konformen Prüfarzt-Schulung angaben, hatten bislang nur 6% der Teilnehmer an einer derartigen Schulung teilgenommen. Kurze Veranstaltungen mit geringer Präsenzpflicht wurden vorgezogen. Nur 7% waren bereit, mindestens die Hälfte der Kosten einer Prüfarzt-Schulung zu übernehmen.
Schlussfolgerung:
Um Hausärzte zukünftig für die erfolgreiche Teilnahme an klinischen Studien gewinnen zu können, sollten Studien und Prüfarztschulungen auf die primärmedizinische Arbeitswelt zugeschnitten werden.
Abstract
Objective:
Clinical trials are regarded as complex due to the high demands on quality and patient safety and are still exceptional in German primary care. To optimise future trial planning, this study aimed at investigating the barriers and enablers experienced by primary care physicians (PCPs) for trial participation.
Methods:
PCPs were surveyed on 11 regional primary care medical education (CME) events using a standardised questionnaire. Regression analyses were used to identify predictors for future trial participation.
Results:
Of 804 invited PCPs, 408 (50.7%) participated in the survey (51±9 years, female 35%). 69% of participants could imagine their participation in a clinical trial. Of 12 potential factors assessed, the final model retained the 2 predictors (OR; CI; P-value) “research questions relevant to practice” (2.25; 1.61–3.14;<0.001) and “new challenges/change from everyday life” (2.24; 1.67–2.97;<0.001). While 58% of participants were principally willing to participate in investigator training courses according to Good Clinical Practice (GCP), only 6% had participated in such training at the time of answering. Short events were preferred. Only 7% were willing to take over at least half of the costs of these courses.
Conclusion:
To enhance German PCPs motivation to participate in clinical trials, both trials and training courses should be tailored to the needs in the primary care setting.
Schlüsselwörter
Teilnahmebereitschaft - Förderfaktoren - Barrieren - Hausärzte - klinische Studien - Primärversorgung
Key words
willingness for participation - motivational factors - barriers - primary care physicians - clinical trials - primary care