Chronische Rückenschmerzen – Therapie mit Spiegelbild
Chronische Rückenschmerzen – Therapie mit Spiegelbild
Spiegeltherapie kennt man bislang überwiegend zur Therapie bei Menschen mit CRPS (Complex
Regional Pain Syndrome) oder mit Hemiparese. Ein Team australischer Wissenschaftler
testete jetzt, welchen Effekt eine Therapie mit Spiegeln bei Menschen mit chronischen
Rückenschmerzen hat - mit bemerkenswerten Ergebnissen.
Für ihre Studie rekrutierten die Forscher 25 Patienten, die seit mindestens sechs
Monaten unter unspezifischen Rückenschmerzen und zum Zeitpunkt der Studie zumindest
unter moderaten Schmerzen litten. Alle Patienten erhielten das gleiche Übungsprogramm
mit aktiven Flex- und Extensionsübungen für die LWS. Dabei standen sie zwischen zwei
Spiegeln, die so angeordnet waren, dass die Probanden ihren Rücken sehen konnten.
Die Übungen führten die Teilnehmer jeweils zweimal durch: Einmal waren die Spiegel
abgehängt, sodass der Blick auf den Rücken verdeckt war, einmal waren die Spiegel
offen. Zwischen den beiden Sätzen legten sich die Teilnehmer für fünf Minuten auf
eine Bank. In welchem der zwei Settings die Teilnehmer zuerst übten, entschied das
Los. Jeweils nach dem Übungsprogramm bewerteten die Probanden die Stärke ihrer Schmerzen.
Es stellte sich heraus, dass die Schmerzintensität nach dem Üben mit freiem Blick
auf den Rücken signifikant geringer war als nach dem Training ohne Sicht - egal, in
welchem Setting die Teilnehmer begonnen hatten. Die Zeit, bis sich die Schmerzen verringert
hatten, war mit Spiegelbild ebenfalls signifikant geringer. Nun diskutieren die Forscher,
ob der Effekt eher neurophysiologisch oder psychologisch begründet ist.
josc
Clin J Pain 2012; 28: 602-608
Morbus Parkinson – Am Anfang ist es oft „dringend“
Morbus Parkinson – Am Anfang ist es oft „dringend“
Menschen mit Morbus Parkinson leiden aufgrund ihrer Erkrankung auch unter vielen Symp
tomen, die nicht den klassischen motorischen Zeichen zuzuordnen sind. Wissenschaftler
aus Großbritannien wollten nun wissen, welche dieser „nichtmotorischen“ Symptome bereits
zu Beginn der Krankheit bestehen.
Dazu untersuchten sie 159 Patienten, bei denen Morbus Parkinson erst vor kurzem diagnostiziert
worden war, sowie 99 Gesunde. Sie fanden heraus, dass die Erkrankten signifikant häufiger
unter nichtmotorischen Symptomen litten. Die am häufigsten auftretenden waren: übermäßiger
Speichelfluss, Vergesslichkeit, spontaner, starker Urindrang, verminderter Geruchssinn
sowie Verstopfung.
josc
Neurology 2013; 80: 276-281
Mediales Tibiakantensyndrom – Risiko mit Palpationstest erkennen
Mediales Tibiakantensyndrom – Risiko mit Palpationstest erkennen
Ein mediales Schienbeinkantensyndrom -auch unter dem Begriff „Shin Splints“ bekannt
- ist eine Überlastung der Unterschenkelmuskulatur, von der häufig Laufsportler betroffen
sind. Wissenschaftler konnten nun mittels zweier Palpationstests recht zuverlässig
vorhersagen, welcher der in ihrer Studie untersuchten Soldaten in den folgenden Monaten
Beschwerden entwickeln wird.
384 australische Soldaten nahmen an der Studie teil, rund ein Drittel waren Frauen.
Beim ersten Test palpierte der Untersucher beidseits die unteren zwei Drittel der
Tibia einschließlich der posteromedialen Kante und der Muskulatur. Konnte er dabei
mit einer Kraft, die etwa der beim Ausdrücken eines Schwammes entspricht, Schmerzen
auslösen, galt der Test als positiv. Das war bei 20 % der Teilnehmer der Fall. Bei
der zweiten Untersuchung wurde geprüft, ob die Probanden Ödeme im Schienbeinbereich
hatten. Dies traf auf 3 % aller Probanden zu.
15 % der Teilnehmer entwickelten in den folgenden Monaten ein Tibiakantensyndrom -
die größte Zeitspanne betrug 490 Tage. Personen mit einem positiven Palpationstest
hatten ein etwa viereinhalbfach höheres Erkrankungsrisiko, wobei die Vorhersagekraft
bei Männern mehr als doppelt so hoch war. Bei einem Schienbeinödem erhöhte sich das
Risiko für ein Tibiakantensyndrom sogar um den Faktor 76 - lediglich einer von elf
Probanden mit Ödem blieb von den Schmerzen verschont. Insgesamt lag das Erkrankungsrisiko
für Frauen dreimal über dem von Männern.
josc
Br J Sports Med 2012; doi: 10.1136/bjsports-2012-090409
Schlaganfall – Schnellkrafttraining verbessert Kontraktionszeit
Schlaganfall – Schnellkrafttraining verbessert Kontraktionszeit
Menschen nach einem Schlaganfall haben häufig Schwierigkeiten, Muskelkontraktionen
und damit Bewegungen schnell auszuführen. Daher testeten Vicky Gray und ihre Kollegen
aus London und Vancouver, welchen Effekt ein einmaliges Schnellkrafttraining bei diesen
Patienten hat.
32 Patienten und 32 Gesunde führten einmalig 50 schnelle Kniebeugen und 50 schnelle
Wiederholungen einer Steppübung durch. Bei den Squats „entriegelten“ die Probanden
ihre Kniegelenke und fingen die Bewegung bei circa 30° Kniegelenkflexion ab. Für die
Steppübung neigten sie den Körper nach vorne, bis sie das Gleichgewicht verloren,
machten dann einen Schritt aus dem Stand nach vorne, um sich abzufangen, und drückten
sich anschließend direkt in den Zweibeinstand zurück. Mithilfe eines Elektromyogramms
überprüften die Forscher die Kontraktionszeiten am Anfang und am Ende des Trainings.
Sie stellten fest, dass sich die Kontraktionszeit in den übungsrelevanten Muskeln
des paretischen Beines deutlich verbessert hatte. Im nichtparetischen Bein und bei
Gesunden blieb sie hingegen nahezu konstant. Die Autoren empfehlen jetzt größere Studien,
um den Effekt eines längeren Trainings zu untersuchen.
hoth
Neurorehabil Neural Repair 2012; 26: 968-975
Schlaganfall – Erst kräftigen, dann aufgabenspezifisch trainieren
Schlaganfall – Erst kräftigen, dann aufgabenspezifisch trainieren
Ein aufgabenspezifisches Training normalisiert Bewegungen, fördert Kompensationen
und steigert so die Armfunktion von Patienten nach Schlaganfall. Ein Krafttraining
hingegen normalisiert die Muskelfunktion. Kombiniert man beide Trainingsmethoden,
sind die Erfolge für den Patienten besonders gut. Das fanden amerikanische Forscher
heraus.
14 Patienten mit Hemiparese nach einem Schlaganfall nahmen an einer 20 Wochen dauernden
Übungsserie teil. Sieben Patienten begannen mit Krafttraining, sieben mit funktionellem
Training. Die Einheiten dauerten jeweils 90 Minuten und fanden dreimal pro Woche statt.
Nach der Hälfe der Zeit wechselten die Probanden die Intervention. Vor und nach der
jeweiligen Übungsphase untersuchten die Forscher die kinetischen Bewegungsabläufe
und verschiedene klinisch-funktionelle Parameter.
Sie stellten fest, dass beide Interventionen die Bewegungskoordination der Patienten
verbesserten. Das funktionelle Training förderte zusätzlich kompensatorische Bewegungsmuster,
das Krafttraining hingegen eine normale Muskelfunktion. Besonders gute Effekte erzielten
Teilnehmer, die zuerst ihre Kraft trainiert und dann aufgabenspezifisch geübt hatten.
hoth
Neurorehabil Neural Repair 2012; 26: 842-854
Aktutbehandlung nach Trauma – Lieber POLICE statt PECH?
Aktutbehandlung nach Trauma – Lieber POLICE statt PECH?
Das Akronym PECH (Pause-Eis-Kompression-Hochlagern) kennt man im Englischen unter
PRICE (Protection-Rest-Ice-Compression-Elevation). Schon seit vielen Jahren wird dieses
Mantra gepredigt, vor allem bei akuten Sportverletzungen. Der Brite Chris Bleakley
vom Sport and Exercise Sciences Research Institute in Ulster, Großbritannien, und
zwei seiner Kollegen schlugen nun aufgrund der veränderten Studienlage vor, dies zu
ändern - in POLICE.
In ihrem Editorial im British Journal of Sports Medicine betonen sie, neue Studien
haben gezeigt, dass „Rest“ (Pause), also ein längerer Entlastungszeitraum, kontraproduktiv
für eine optimale Heilung ist. Stattdessen sei es wichtig, den Betroffenen ein optimales
Gleichgewicht von Be- und Entlastung zugutekommen zu lassen. Aus diesem Grund wählten
sie das Akronym POLICE (Protection-Optimal Loading-Ice-Compression-Elevation). Dies
solle zudem nicht nur als eine einfache „Formel“ gelten, sondern Kliniker daran erinnern,
sich neue und effektive Strategien für eine optimale posttraumatische Belastung der
betroffenen Struktur auszudenken.
josc
Br J Sports Med 2012; 46: 220-221
Fussballverletzungen – Präventionsprogramm „Die 11+“ möglicherweise ungenügend
Fussballverletzungen – Präventionsprogramm „Die 11+“ möglicherweise ungenügend
„Die 11+“ ist ein Aufwärmprogramm, das Fußballer ab dem 14. Lebensjahr laut Empfehlung
des Weltfußballverbands FIFA regelmäßig durchführen sollten, um Verletzungen vorzubeugen.
Es besteht aus verschiedenen Lauf-, Stabilisations- und Kraftübungen. Nun stellt eine
niederländische Studie den Effekt dieses Programms in Frage.
23 Amateurfußballteams mit insgesamt 455 Spielern nahmen an der Untersuchung teil.
Die Forscher teilten sie per Zufall in zwei Gruppen ein. Die eine führte während einer
Saison regelmäßig das etwa 15 Minuten dauernde Präventionsprogramm durch, die andere
nicht. Das ernüchternde Ergebnis: Die Zahl der verletzten Spieler sowie die Schwere
der Verletzungen waren in beiden Gruppen praktisch gleich. Der einzige Unterschied:
Die Interventionsgruppe verletzte sich signifikant seltener am Kniegelenk.
josc
Br J Sports Med 2012; doi: 10.1136/bjsports-2012-091277
Achillodynie – Lasertherapie überflüssig?
Achillodynie – Lasertherapie überflüssig?
Bei der Therapie einer chronischen Achillo-dynie gilt exzentrisches Training als eine
der effektivsten Methoden. Nun prüften Wissenschaftler aus Neuseeland, ob es sich
lohnt, die malade Achillessehne zusätzlich mit einer sogenannten Low-Level-Lasertherapie
(LLLT) zu behandeln.
Die 40 an der Studie teilnehmenden Patienten wurden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt.
Die eine Hälfte trainierte zwölf Wochen exzentrisch und erhielt in den ersten vier
Wochen zusätzlich dreimal pro Woche Lasertherapie. Die Einstellungen des Lasers passten
die Wissenschaftler anhand der World Association for Laser Therapy an. Die restlichen
Teilnehmer trainierten gleich, bekamen jedoch lediglich eine Schein-Laserbehandlung.
Untersucht wurden alle Probanden vor der Studie sowie nach vier, zwölf und 52 Wochen.
Als primären Outcome-Parameter verwendeten die Wissenschaftler den VISA-A-Fragebogen
(Victorian Institute of Sports Assessment -Achilles Questionnaire).
Die Ergebnisse: Während das exzentrische Training die Schmerzen der Probanden sowie
deren Scores auf dem VISA-A deutlich verbesserten, zeigte die LLLT zu keinem Zeitpunkt
einen Effekt. Im Gegenteil: Die Ergebnisse des VISA-A waren bei den Probanden mit
ScheinLaserbehandlung nach vier Wochen sogar signifikant besser als bei denjenigen,
welche eine „echte“ Laserbehandlung erhalten hatten.
josc
Arch Phys Med Rehabil 2012; 93: 733-739
Primäre Kopfschmerzen – Muskuloskeletale Komponenten prüfen
Primäre Kopfschmerzen – Muskuloskeletale Komponenten prüfen
Im Gegensatz zu beispielsweise zerviko-genen Kopfschmerzen, welche eine Auswirkung
einer HWS-Problematik darstellen, zählen Spannungskopfschmerz und Migräne ohne Aura
zu den primären Kopfschmerzerkrankungen - der Schmerz selbst ist also die Erkrankung.
In mehreren Studien erkannten Wissenschaftler jedoch, dass viele Menschen mit Migräne
auch Dysfunktionen in den hoch-zervikalen Segmenten haben. Der australische Kopfschmerzexperte
Dean Watson wollte daher gemeinsam mit einem Kollegen herausfinden, ob sich die Symptome
von Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen auch durch eine manuelle Untersuchung
der HWS reproduzieren lassen.
Sie schlossen 34 Patienten (20 mit Migräne, 14 mit Spannungskopfschmerzen) sowie 14
Gesunde in ihre Studie ein. Die Untersuchung der Patienten fand in einer schmerzfreien
Episode statt. Der Untersucher wählte die Seite, auf der er den gehaltenen manuellen
Druck applizierte, anhand der Symptome aus: Er entschied sich entweder für die schmerzhafte
Seite (bei unilateralen Symptomen), die Seite, auf der die Kopfschmerzen am häufigsten
auftraten (bei Symptomen, die die Seite wechselten), oder die Seite, in deren Richtung
der Processus spinosus des Axis laut seines Palpationsbefundes rotiert war. Bei der
Kontrollgruppe wurde die Seite per Zufall ausgewählt. Die beiden Techniken, die der
Untersucher anschließend applizierte, waren:
Bei allen Patienten mit Spannungskopfschmerz und bei 19 von 20 Patienten mit Migräne
lösten die Techniken den Schmerz aus, der auch bei einer Attacke auftritt. Beide Techniken
verursachten beim jeweiligen Teilnehmer immer die gleichen Symptome, sowohl hinsichtlich
der Lokalisation als auch der Intensität.
Bei Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen könnten somit nozizep-tive zervikale
Afferenzen bislang zu wenig Beachtung gefunden haben. Die Autoren empfehlen daher
auch bei diesen Patienten, muskuloskeletale Komponenten in die Untersuchung mit einzubeziehen.
josc
Headache 2012; 52: 1226-1235
Totalendoprothesen – TEPs erhöhen Infarktrisiko
Totalendoprothesen – TEPs erhöhen Infarktrisiko
Patienten, die eine Knie- oder Hüftgelenk-endoprothese erhalten, haben anschließend
ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das berichten Wissenschaftler
aus den Niederlanden.
Sie betrachteten retrospektiv die Daten von 66.524 Patienten nach Hüft- und 28.703
Patienten nach Knie-TEP-OP und verglichen sie mit denen von 286.165 nicht operierten
Kontrollpersonen. Die Operierten waren im Schnitt knapp 70 Jahre alt. In den ersten
beiden Wochen nach Hüft-TEP-OP war das Infarktrisiko rund 25 Mal höher als bei der
Kontrollgruppe, bis zur sechsten Woche noch rund fünfmal. Bei den Patienten mit Knie-TEP
erhöhte sich das Risiko in den ersten beiden Wochen um den Faktor 30, bereits nach
zwei Wochen hatte es sich jedoch dem der nicht operierten Gruppe angeglichen.
Vor allem nach Hüftgelenkendoprothese waren hochbetagte Patienten besonders infarktgefährdet,
diejenigen unter 60 unterschieden sich hinsichtlich des Risikos dagegen nicht von
den Kontrollpersonen. Weitere Faktoren, welche die Infarktwahrscheinlichkeit nach
Hüft-TEP-OP erhöhten, waren: männliches Geschlecht, Herzinsuffizienz, früherer Infarkt,
zerebrovaskuläre Erkrankungen und die Einnahme von Medikamenten wie Beta-blocker und
Diuretika.
josc
Arch Intern Med 2012; 172: 1229-1235