Der Klinikarzt 2015; 44(10): 495
DOI: 10.1055/s-0035-1566187
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Radiojod-refraktäres differenziertes Schilddrüsenkarzinom (DTC) – Sorafenib schließt eine Therapielücke

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Publication Date:
04 November 2015 (online)

 
 

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Sorafenib (Nexavar®) ist seit gut einem Jahr auch für die Therapie des Radiojod-refraktären differenzierten Schilddrüsenkarzinoms (DTC) zugelassen und führt zu einer Verzögerung des Tumorwachstums und einem tendenziell verlängerten Gesamtüberleben. „Sorafenib schließt eine Therapielücke“, sagte Dr. Michael Kreißl vom Klinikum Augsburg. Die zu erwartende mediane Überlebenszeit bei Radiojod-Refraktärität liege bei 2,5–3,5 Jahren. Mit dem oralen Sorafenib könne insbesondere Patienten mit rasch progredienter und (deutlich) symptomatischer Erkrankung eine mögliche weitere Therapie angeboten werden. Die Nebenwirkungen von Sorafenib seien aus den Indikationen Leberzell- und Nierenzellkarzinom gut bekannt und in der Regel kontrollierbar.

Beim DTC hat Sorafenib überzeugende Daten in der Phase-III-Studie DECISION mit 417 Patienten geliefert [ 1 ]. Sie waren progredient und ohne vorherige Behandlung mit Chemo- oder Target-Therapeutika. Die Patienten erhielten im Verhältnis 1:1 verblindet entweder 2x täglich 400 mg Sorafenib oder Placebo bis zum Progress oder einer nicht tolerablen Toxizität. Bei Progression konnten die Placebo-Patienten zu Sorafenib wechseln und die Sorafenib-Patienten offen mit Sorafenib weiterbehandelt werden.

PFS um 5 Monate verlängert

Das mediane PFS (primärer Endpunkt) betrug in der Sorafenib-Gruppe 10,8 Monate und in der Placebo-Gruppe 5,8 Monate (< 0,0001), das entspricht einer Verlängerung des PFS von 86 % vs. Placebo. Der Vorteil beim PFS zeigte sich in allen vorab definierten Subgruppen, unter anderem auch bei hoher Tumorlast und hoher kumulativer Radiojod-Aufnahme (≥ 22,2 GBq). „Auch die BRAF-Mutation ist kein Prädiktor der PFS-Verlängerung“, so Kreißl. Aufgrund des Cross-over-Designs konnte beim medianen Gesamtüberleben (OS) kein signifikanter Unterschied beobachtet werden, der Median wurde in beiden Gruppen noch nicht erreicht. Ein Update der Auswertung 9 Monate später [ 2 ] ergab weiterhin ein nicht erreichtes medianes OS unter Sorafenib und ein OS von 36,5 Monaten unter Placebo. Wurde der Cross-over-Effekt herausgerechnet, ergab sich ein positiver Trend beim Gesamtüberleben zugunsten von Sorafenib (HR: 0,69, 95 %-KI: 0,49–0,99).

Dr. Beate Grübler, Hannover

Quelle: Lunch-Symposium „Mehr als Aspirin – Bayer in der Onkologie“ im Rahmen des DGN-Kongresses am 24. April 2015 in Hannover. Veranstalter: Bayer Vital GmbH.


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  • Literatur

  • 1 Brose M et al. Lancet 2014; 384: 319-328
  • 2 Brose M et al. ASCO 2014 / J Clin Oncol 2013; 32 (Suppl. 02) Abstract 6060

  • Literatur

  • 1 Brose M et al. Lancet 2014; 384: 319-328
  • 2 Brose M et al. ASCO 2014 / J Clin Oncol 2013; 32 (Suppl. 02) Abstract 6060