Z Orthop Unfall 2016; 154(01): 15
DOI: 10.1055/s-0036-1572475
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sprunggelenksprothese – Schlechteres Outcome durch Übergewicht?

Authors

    Contributor(s):
  • Sarah Ettinger

Bouchard M, Amin A, Pinsker E et al.
The impact of obesity on the outcome of total ankle replacement.

The Journal of bone and joint surgery American volume 2015;
97: 904-910
Further Information

Publication History

Publication Date:
22 February 2016 (online)

 

Für die Knie- und Hüftendoprothetik konnte gezeigt werden, dass Übergewicht ein Risiko für erhöhte Revisions- und Infektionsraten darstellt. Ziel der vorliegenden Studie war es, das Outcome von normalgewichtigen mit dem von stark übergewichtigen Patienten nach Implantation einer Prothese des oberen Sprunggelenks (OSG) zu vergleichen.
Bouchard M, Amin A, Pinsker E et al. The impact of obesity on the outcome of total ankle replacement. The Journal of bone and joint surgery American volume 2015; 97: 904-910

In der vorgestellten Studie konnte gezeigt werden, dass sich das Outcome von übergewichtigen im Vergleich zu normalgewichtigen Patienten nach Implantation einer OSG-Prothese bei endgradiger Arthrose nicht signifikant unterscheidet.

Methodik

Es wurden 39 übergewichtige Patienten (BMI >30 kg/m2) mit einem Follow-up von 3,76 Jahren und 48 normalgewichtige Patienten (BMI <30 kg/m2) mit einem Follow-up von 3,92 Jahren nach Implantation einer OSG-Prothese aufgrund von endgradiger Arthrose untersucht. Die Subskalen Schmerz und Beeinträchtigung der Ankle Osteoarthritis Scale (AOS) und der SF-36 wurden prä- sowie nach einem Minimum von 2 Jahren postoperativ erhoben. Zudem wurden Komplikationen und Revisionseingriffe erfasst.


Ergebnisse

Zehn (26%) Patienten der übergewichtigen Gruppe waren massiv übergewichtig (BMI >40 kg/m2). Präoperativ zeigte die übergewichtige Gruppe schlechtere Werte für den SF-36 Score als die normalgewichtige Gruppe. Postoperativ verbesserten sich die untersuchten Scores in gleichem Ausmaß für beide Gruppen signifikant (p <0,001). 82,1% der übergewichtigen und 89,6% der normalgewichtigen Gruppe zeigten ein gutes postoperatives Ergebnis ohne Folgeoperation. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen bezüglich der Revisions- und Komplikationsrate. Die Autoren schlussfolgern daher aus ihren Ergebnissen, dass die Implantation einer OSG-Prothese auch für übergewichtige Patienten eine zuverlässige Therapieoption darstellt.


Kommentar

Die Studie zeigt, dass 4 Jahre postoperativ das Outcome nach Implantation einer OSG-Prothese zwischen übergewichtigen und normalgewichtigen Patienten nahezu identisch ist. Dies steht im Kontrast zu mehreren Studien, die belegen, dass Patienten ab einem BMI >30kg/m2 nach Implantation einer Knie- oder Hüftendoprothese erhöhte Revisions- und Infektionsraten aufweisen. Die Fragestellung ist insbesondere deswegen relevant, weil die Prävalenz von Adipositas stetig steigt. Bei dem Studiendesign ist kritisch anzumerken, dass die 2 Kohorten in der Anzahl unterschiedlich und insgesamt eher klein waren. Zudem ist ein Follow-up von 4 Jahren zur Beurteilung der Standzeit einer Prothese zu kurz, da vor allem die folgenden Jahre interessant sind, um eventuelle Unterschiede in der Lockerungsrate zu identifizieren. Größere Studien mit einem längeren Follow-up sind notwendig, um konkrete Aussagen machen zu können, ob starkes Übergewicht einen Risikofaktor für ein schlechteres Outcome nach OSG-Prothesenimplantation darstellt.