Hamostaseologie 1991; 11(03): 152-157
DOI: 10.1055/s-0038-1660296
Originalarbeiten
Schattauer GmbH

Pharmakokinetik von Hirudin bei gestörter Nierenfunktion

G. Nowak
1   Institut für Pharmakologie und Toxikologie
,
E. Bucha
1   Institut für Pharmakologie und Toxikologie
,
T. Gööck
1   Institut für Pharmakologie und Toxikologie
*   Nephrologische Abteilung der Medizinischen Klinik der Medizinischen Akademie Erfurt
,
D. Prasa
1   Institut für Pharmakologie und Toxikologie
,
H. Thieler
1   Institut für Pharmakologie und Toxikologie
*   Nephrologische Abteilung der Medizinischen Klinik der Medizinischen Akademie Erfurt
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Publication History

Publication Date:
26 June 2018 (online)

Zusammenfassung

Die Pharmakokinetik von r-Hirudin wurde bei 9 Patienten mit verschiedenen Stadien einer chronischen Niereninsuffizienz untersucht. Rekombinantes Hirudin wurde einmalig intravenös in einer Dosierung von 0,1 mg/kg verabreicht, und es wurden die Eliminationshalbwertszeit, die kumulative Hirudinexkretion im Urin sowie Gerinnungsglobaltests und die Blutungszeit bestimmt.

Bei gesunden Probanden betrug die Eliminationshalbwertszeit 0,9 ±0,2 h. Innerhalb von 48 Stunden wurden 38 ± 10% der applizierten Hirudindosis in unveränderter Form im Urin ausgeschieden, hauptsächlich während der ersten Stunde. Bei sieben Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz lag die Eliminationshalbwertszeit zwischen 15 und 41 Stunden. Während bei drei dieser Patienten die kumulative Hirudinausscheidung im Urin auf 70-80% der injizierten Dosis erhöht war, betrug sie bei den vier anderen Patienten 39 ± 8%, jedoch zeitlich deutlich verzögert. Bei den zwei bilateral nephrektomierten Patienten wurde eine Eliminationshalbwertszeit von 141 ± 14 h ermittelt. Die renalen Clearancewerte von Kreatinin und Hirudin korrelieren linear miteinander mit einem Koeffizienten von 0,872. Bei allen untersuchten Patienten waren die aktivierte partielle Thromboplastinzeit und die Blutungszeit nur geringgradig verlängert.

Diese Ergebnisse bestätigen die tierexperimentellen Befunde, daß Hirudin nicht extrarenal metabolisiert bzw. eliminiert wird. Aus den Untersuchungen ist zu folgern, daß die bei eingeschränkter Nierenfunktion veränderte Pharmakokinetik von Hirudin eine individuell angepaßte, verminderte Dosierung erfordert.