Bisher sind Hautbefunde und systemischen Anomalien, die auf
ein polyzystisches Ovarialsyndroms schließen lassen, noch
nicht vollständig erforscht. T. H. Schmidt et al. unternahmen
eine retrospektive Studie mit Patientinnen der University of
California in San Francisco. Sie erhoff ten von einer
Identifi kation kutaner Marker und einem besseren Verständnis
der Zusammenhänge eine eindeutigere Diagnose und eine
leichtere Abgrenzung zu anderen Erkrankungen.
JAMA Dermatol 2016; 152: 391–398
Typisches klinisches Bild bei androgenetischer Alopezie. Es werden verschiedene Stadien unterschieden, die sich durch unterschiedlich starke Minderungen der Haardichte zentral auszeichnen.
Bis zu 80 % der Frauen mit polyzystischem
Ovarialsyndrom (PCOS) weisen Hautveränderungen
auf, die klassischerweise mit
einem Hyperandrogenismus (HA) assoziiert
sind. Dazu gehören Akne, Hirsutismus
und androgenetische Alopezie (AGA), aber
auch Acanthosis nigricans (AN) und seborrhoische
Dermatitis. Systemisch bestehen
Assoziationen zu kardiovaskulären
Risikofaktoren und Langzeitkomplikationen
wie Adipositas, Unfruchtbarkeit, malignen
Erkrankungen und Insulinresistenz.
Die retrospektive, kreuzsektionale Studie
mit rassisch unterschiedlichen Frauen
hatte zum Ziel, die kutanen, reproduktiven
und metabolischen Charakteristika zu
identifi zieren, welche die Patientinnen
mit den diagnostischen Kriterien eines
PCOS von denjenigen ohne diese Kriterien
abgrenzen. Dazu charakterisierten die
Untersucher systematisch die kutanen,
reproduktiven und metabolischen Eigenschaften
einer großen, Querschnittspopulation von Patientinnen in einer multidisziplinären
PCOS-Klinik, die mit Verdacht
auf PCOS eingeliefert worden waren. Die
Untersucher schlossen 401 Patientinnen
in die Studie ein. Bei 276 von ihnen (68,8 %)
trafen die Rotterdam-PCOS-Kriterien zu,
bei 48 (12 %) jedoch nicht. Bei 46 Patientinnen
lagen unvollständige Daten vor. Die
übrigen waren aus verschiedenen Gründen
ausgeschlossen oder hatten eine weitere
Teilnahme abgelehnt.
Die Forscher führten umfassende Hautuntersuchungen
und transvaginale Ultraschalluntersuchungen
durch, bestimmten
die Gesamttestosteronspiegel, freies Testosteron,
Dehydroepiandrosteron (DHEA),
Androstendion (ASD), Luteinisierendes
(LH) und Follikelstimulierendes Hormon
(FSH), das Serumcholesterin, High Density
(HDL) und Low Density Lipoprotein
(LDL) und Triglyzeride sowie 0-h- und
2-h-oGTT (oraler Glukosetoleranztest)
zusammen mit den Spiegeln von Glukose
und Insulin.
Das mittlere Alter der 401 Patientinnen
betrug 28 Jahre. Die meisten Frauen mit
PCOS (91,7 %) hatten mindestens einen
Hautbefund. Insgesamt fanden sich bei
diesen Frauen im Durchschnitt signifikant
häufiger mehrere Hautbefunde als bei
denjenigen ohne die entscheidenden Kriterien
(1,97 vs. 1,25; p = 0,001).
Verglichen mit den 48 Frauen, auf die die
diagnostischen Kriterien für PCOS nicht
zutrafen, wiesen die 276 Frauen mit diesen
Kriterien höhere Raten an Hirsutismus
auf (53,3 vs. 31,2 %, p = 0,005). Ähnliche
Ergebnisse fanden sich hinsichtlich
des Auftretens von Akne (61,2 vs. 40,4 %,
p = 0,004) und AN (36,9 vs. 20 %, p = 0,03).
Auch die Verteilung der kutanen Befunde
variierte: Frauen mit PCOS-Kriterien wiesen
schwerere Hirsutismus-Symptome
am Rumpf und höhere Raten von axillärer
AN auf. Zudem hatten sie erhöhte Gesamttestosteronspiegel
(40,7 vs. 4,3 %; p < 0,001).
Insgesamt fanden die Forscher bei Frauen
mit PCOS eine höhere Prävalenz von mindestens
einem erhöhten Androgen (62,5
vs. 20,9 %, p < 0,001) sowie höhere Raten
von Oligoanovulation (89,9 vs. 29,5 %,
p < 0,001) und polyzystischen Ovarien
(89,7 vs. 33,3 %, p < 0,001). Weiterhin war
das Vorhandensein von Hirsutismus oder
AN bei Frauen mit PCOS-Kriterien häufiger mit erhöhten Spiegeln von freiem Testosteron
sowie mit verschiedenen metabolischen
Anomalien assoziiert, so mit Insulinresistenz,
Fettstoff wechselstörungen
und erhöhtem BMI. Hinsichtlich AGA bestand
ein Trend hin zu einer erhöhten Prävalenz
bei Frauen mit PCOS, doch waren
die Unterschiede nicht signifikant (22,4
vs. 11,4 %).
In dieser Studie stellten sich Hirsutismus
und AN als verlässlichste kutane Marker
des PCO-Syndroms heraus. Obwohl auch
die Prävalenz von Akne und AGA erhöht
waren, halten die Forscher diese Erkrankungen
für weniger verlässliche Marker
des biochemischen Hyperandrogenismus.
Liegen Hirsutismus und AN vor, bedarf
es einer zusätzlichen diagnostischen
Beurteilung metabolischen Komorbiditäten,
zumal diese Langzeitkomplikationen,
wie erhöhte Glukoseintoleranz
und Testosteronspiegel sowie
Dyslipidämie, hervorrufen können, so
die Autoren.