Potts BA.
et al.
Intraurethral Steroids are a Safe and Effective Treatment for Stricture Disease in Patients with Biopsy Proven Lichen Sclerosus.
J Urol 2016;
195: 1790-1796
In einer retrospektiven Studie haben Urologen der Duke University die Daten von Männer ausgewertet, die zwischen Oktober 2010 und September 2015 in ihrer Klinik wegen einer symptomatischen Urethrastriktur bei histologisch gesichertem Lichen sclerosus behandelt worden waren. Bei 28 von 40 Männern war zunächst ein konservativer Therapieversuch mit intraurethraler Applikation von Clobetasol erfolgt. Die Männer hatten dabei über 2–3 Monate 2-mal täglich die 0,05%ige Creme mithilfe eines Urinkatheters oder eines Dilatators über die gesamte Länge der Striktur eingebracht. Im Anschluss wurde die Häufigkeit der Anwendung allmählich vermindert und erfolgte bei Bedarf nach Ermessen des Patienten. Als Erfolg definierten die Autoren die fehlende Notwendigkeit weiterer, invasiverer Interventionen. Bei den Patienten, die sich für eine Steroidapplikation entschieden, betrug die Erfolgsrate nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 2 Jahren insgesamt 89,3%, 3 Patienten konnten die Anwendung komplett beenden. Sieben Patienten wurden operativ behandelt (perineale Harnableitung, [6 Pat.], Urethroplastik [1 Pat.]) mit einer Erfolgsrate von 75%. Bei 2 Patienten wurden Revisionen nach 1,7 bzw. 8,2 Monaten notwendig. Bei den 3 Patienten mit Therapieversagen unter Clobetasol erfolgte eine Dilation der Harnröhre, eine Urethroplastik oder Harnableitung wurde in keinem Fall notwendig. Komplikationen durch die wiederholten intraurethralen Anwendungen wurden nicht beobachtet.
Nach diesen Daten scheint ein Versuch mit der lokalen Anwendung eines hoch potenten Steroids bei Urethrastriktur aufgrund eines Lichen sclerosus auf alle Fälle berechtigt, meinen die Autoren. Gerade in Anbetracht der mit der Urethroplastik verbundenen Komplikationen und der Rezidivhäufigkeit empfehlen sie dieses Vorgehen, bevor invasive operative Maßnahmen angedacht werden. Allerdings muss eine weitere Nachbeobachtung noch die Langzeitwirksamkeit der Behandlung über Jahr 2 hinaus zeigen.
Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim
Kommentar
Potts BA et al. Intraurethral Steroids are a Safe and Effective Treatment for Stricture Disease in Patients with Biopsy Proven Lichen Sclerosus. J Urol 2016; 195: 1790–1796
Hintergrund
Lichen sclerosus ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, oft mit genitaler Manifestation und die urethrale Beteiligung von bis zu 30%[1]. Die lokale Behandlung mittels hochpotenten Glukokortikoiden kann bei fehlender urethraler Beteiligung in bis zu 90% der Patienten eine signifikante Verbesserung erreichen [2]. Für Urethrastrikturen durch Lichen sclerosus gilt die Harnrörenrekonstruktion mit Gewebetransfer als Therapie der Wahl [3]. In der vorliegenden Studie glauben Potts und Kollegen eine Alternative gefunden zu haben.
Stärken der Studie
Wie von den Autoren angegeben: eine histologische Sicherung des Lichen sclerosus. Die ausschließlich klinische Diagnose ist sehr untersucherabhängig und bei V.a. Lichen sclerosus sollte immer eine Biopsie durchgeführt werden, nicht zuletzt zum Ausschluss eines Malignoms.
Relevanz für die Praxis
Die wichtigste Botschaft dieser Studie ist eine histologische Sicherung bei V.a. Lichen sclerosus, nicht zuletzt zum Ausschluss eines Malignitätsausschlusses. Für die Therapie der Harnröhrenstriktur bleibt die Harnröhrenplastik der Goldstandard, eine Bougierungsbehandlung ist ein rein palliatives Konzept.