Einleitung Suchterkrankungen sind mit gravierenden gesundheitlichen
Auswirkungen auf das soziale Umfeld verbunden, insbesondere bei engen
interpersonellen Beziehungen. Mehrheitlich erlauben vertiefende Studien aufgrund
eines extrem niedrigen Männeranteils an Befragten keine Aussagen zu
Geschlechterdifferenzen.
Material und Methodik In der repräsentativen
Bevölkerungsstudie GEDA (N=24.824) gaben 266 Frauen und 81
Männer an, in einer Partnerschaft mit in den letzten 12 Monaten bestehender
Suchtproblematik zu leben. Mittels standardisierter Fragebögen wurden
soziodemographische Faktoren, Art der Suchtproblematik, gesundheitliche Belastungen
und Resilienzen sowie die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen
erhoben und mittels parametrischer und nonparametrischer Verfahren auf
Geschlechterunterschiede analysiert.
Ergebnisse Es ergaben sich keine Geschlechterunterschiede bzgl. des
Anteils Verheirateter bzw. mit dem/der Partner*in zusammenlebenden
Betroffenen. Betroffene Männer wiesen einen höheren
Bildungshintergrund auf, gaben häufiger an, von einer
Medikamentenabhängigkeit mitbetroffen zu sein und wiesen eine höhere
allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung sowie häufiger einen riskanten
Alkoholkonsum auf. Frauen wiesen erhöhte Depressionswerte, eine geringere
Lebenszufriedenheit, häufigere Inanspruchnahme der medizinischen
Basisversorgung sowie tendenziell eine höhere Suchtbelastung in der
Herkunftsfamilie auf. Die Geschlechterunterschiede hinsichtlich gesundheitlicher
Beeinträchtigungen waren moderat und entsprechen den bekannten
Geschlechterunterschieden in der Allgemeinbevölkerung bei insgesamt
erhöhter Morbidität bei beiden Geschlechtern.
Zusammenfassung Während deutlich mehr Frauen in
suchtbelasteten Partnerschaften leben, entsprechen die Befunde hinsichtlich
gesundheitlicher Beeinträchtigungen weitgehend den bekannten
Geschlechterdifferenzen in der Allgemeinbevölkerung. Die
äußerst geringe Inanspruchnahme von Hilfeangeboten durch betroffene
Männer ist nicht durch eine geringere Belastung erklärbar.
Implikationen für zukünftige Forschung und Versorgung werden
diskutiert.