Einleitung Intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR) geht mit einem deutlich erhöhten Risiko
für Präeklampsie einher. Eine Dysbalance der angiogenen Biomarker soluble fms-like
tyrosine kinase-1 (sFlt-1) und placental growth factor (PlGF), die durch eine erhöhte
sFlt-1/PlGF-Ratio gekennzeichnet ist, spielt nachweislich eine maßgebliche Rolle in
der Entstehung von plazentaren Funktionsstörungen und damit verbundenen Schwangerschaftskomplikationen
wie Präeklampsie und IUGR [1]
[2]
[3]
[4]
[3]. Rezente Studien konnten zeigen, dass die sFlt-1/PlGF Ratio in Schwangerschaften
mit IUGR gesteigert ist, und im fetalen Monitoring einen potenziellen Nutzen zeigt
[4]
[7]
[8]
[5]. Die Bedeutung angiogener Marker als Prädiktor einer Präeklampsie in von intrauteriner
Wachstumsrestriktion betroffenen Schwangerschaften ist allerdings noch ungewiss. Ziel
dieser Studie ist es, den prognostischen Wert von angiogenen Markern zur Vorhersage
der Entwicklung einer Präeklampsie in Schwangerschaften mit IUGR und Verdacht auf
Präeklampsie zu untersuchen.
Material und Methodik Diese Studie inkludierte 93 Frauen mit IUGR, definiert nach Delphi Konsenskriterien,
die zwischen 2013 und 2020 an der Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin
der Medizinischen Universität Wien wegen des Verdachts auf Präeklampsie einer Abnahme
der angiogenen Marker sFlt-1 und PlGF unterzogen wurden. Frauen mit diagnostizierter
Präeklampsie zum Zeitpunkt der Probenentnahme wurden ausgeschlossen. Eine Cox-Regressionsanalyse
und eine logistische Regression wurden durchgeführt, um den prädiktiven Wert der angiogenen
Marker zu untersuchen.
Ergebnisse In dieser Kohorte entwickelten 14 Frauen (15,1 %) innerhalb einer Woche nach Bestimmung
der angiogenen Marker, 21 (22,6 %) innerhalb von 2 Wochen und 38 (40,9 %) zu einem
beliebigen Zeitpunkt nach Abnahme eine Präeklampsie. Die sFlt-1/PlGF-Ratio kombiniert
mit dem Gestationsalter zum Zeitpunkt der Entnahme zeigte eine hohe Vorhersagegenauigkeit
für die Entwicklung einer Präeklampsie innerhalb von einer und 2 Wochen (AUC: 0,87;
OR 10,49, p = 0,001 bzw. AUC 0,80; OR 6,61, p < 0,001), während die Vorhersagekraft
für Zeitintervalle von mehr als 2 Wochen abnahm (AUC 0,69; OR 1,56, p = 0,10). Der
etablierte Cut-off-Wert für den Ausschluss einer Präeklampsie (sFlt-1/PlGF-Ratio <38)
konnte die Entwicklung einer Präeklampsie in unserem Kollektiv von Schwangerschaften
mit IUGR innerhalb von 2 Wochen effektiv ausschließen (NPV 93,3; Sensitivität 95,2).
Zusammenfassung Es konnte gezeigt werden, dass die sFlt-1/PlGF-Ratio effektiv die Entwicklung einer
Präeklampsie innerhalb von ein bis 2 Wochen vorhersagen und der etablierte Cut-off-Wert
für den Ausschluss einer Präeklampsie innerhalb von 2 Wochen (sFlt-1/PlGF <38) auch
in diesem Kollektiv angewandt werden konnte. Zusammenfassend sollte die Bestimmung
angiogener Marker in die Überwachung von Schwangerschaften mit intrauteriner Wachstumsrestriktion
und Verdacht auf Präeklampsie einbezogen werden.