Erfahrungsheilkunde 2000; 49(11): 754-755
DOI: 10.1055/s-2000-11658
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Karl F. Haug Verlag, in MVH Medizinverlage Heidelberg GmbH & Co. KG

UVB/HOT und Sauerstoff - eine synergistische Therapiekombination

 G. Frick
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

Einleitung

Den Startermechanismus aller Sauerstofftherapien stellt die Aktivierung des trägen Triplettsauerstoffs zu reaktiven Sauerstoffspezies dar. Bei Ultraviolettbestrahlung des Blutes (UVB) und Hämatogener Oxidationstherapie (HOT) geschieht diese Aktivierung durch UV-C-Quanten. Es wird die Rolle der Quantität des anwesenden oder zugeführten Sauerstoffs analysiert und die Bedeutung der räumlichen und zeitlichen Verhältnisse besprochen. Die gute Kombinierbarkeit von UV-Quanten und Sauerstoffsubstitution kann die breite Palette der individuellen Bedürfnisse der Patienten und Praxismöglichkeiten optimal erfassen.

Der normale Sauerstoff O2, auch Triplett-Sauerstoff genannt, ist ein relativ träges Gas. Bei seiner Mischung mit Wasserstoffgas passiert zunächst nichts. Es bedarf eines initialen Zündfunkens, bevor die sog. Knallgasreaktion abläuft. Auch im Körper bewirkt aufgenommener, physikalisch gelöster Triplettsauerstoff zunächst nichts. Bevor die verzögerte Knallgasreaktion, die Atemkette, ablaufen kann, bedarf es eines energetischen Anstoßes. Der träge Triplettsauerstoff muss in eine reaktive Sauerstoffspezies (ROS) überführt werden. Diesen ersten Anstoß kann ein energiereiches Lichtquant geben, das nahe einem Atmungskettenenzym Triplettsauerstoff in Singulettsauerstoff überführt. In allen Sauerstofftherapien stellt die Aktivierung von Triplettsauerstoff den ersten essentiellen Schritt zur Verwertbarkeit des Sauerstoffs für die Atmungskette dar. Erst dann kann der bereit gestellte Sauerstoff wirken, wie z.B. bei hypoxischen Zuständen im Kreislauf in der Energiebereitstellung oder gegen Schmerzzustände im Gewebe.

Nicht weniger wichtig ist jedoch die etwa nach 20 Minuten beginnende [[7]] und bis zu Monaten andauernde Induktion von antioxidativem Potenzial in Form von Glutathion, Katalase und Superoxiddismutase [[4], [12]]. Das ist von besonderer Bedeutung bei chronischen Erkrankungen, bei denen infolge Entzündungen durch Radikalüberschüsse ein Mangel an körpereigenem antioxidativem Potenzial entstanden war. Diese Hilfe zur Selbsthilfe unserer zunächst oxidativen Therapie wird immer gern verkannt und nur die Schreckgespenste der Überoxidation betont.

In den 30-er und 40-er Jahren wurde von Naswitis, Havlicek und Knott zunächst die UVB ohne zusätzliche Zuführung von Sauerstoff durchgeführt [[3], [5],[6]]. Man hatte mehr die keimtötende Wirkung des UV im Auge. Von Wehrli wurde dann die zusätzliche Sauerstoffaufschäumung des Blutes eingeführt, auch unter dem Aspekt, dass nur sehr dünne Blutschichten in Form von sauerstoffhaltigen Blutblasen zu einer optimalen UV-Absorption in das Blut führen könnten [[10]].

Wiesner hat dann 1970 bei der UVB im engeren Sinne die dünne Blutschicht durch Konstruktion einer dünnen Quarzküvette erzeugt und damit das Verfahren rationalisiert. Er zeigte, dass durch UVB die Fähigkeit der kranken Gewebe steigt, Sauerstoff ausnutzen zu können und bewies, dass der Sauerstoff des venösen Blutes bereits für den Effekt der UVB ausreicht [[11]]. Durch Stickstoff aufgeschäumtes venöses Blut wirkt UV-C-bestrahlt praktisch genau so wie die HOT. Die Quantität des vorhandenen Sauerstoffs bestimmt die Effektivität nicht so, wie man zunächst vermuten würde. Sie ist mehr von Bedeutung, wenn es sich bei der HOT um Patienten handelt, die Atmungs- und Zirkulationsstörungen aufweisen. Durch jedes Mehrangebot an Sauerstoff, sei es nun durch einen Aufenthalt im Wald, Joggen, Sauerstoffatmung, Sauerstoffinsufflation oder HOT, wird die Ausbeute an ROS gesteigert. Sauerstofftherapie und UVB/HOT ergänzen und potenzieren sich also. Bereits 1980, als Wiesner zu v. Ardenne nach Dresden ging, um die Resultate der UVB durch das Ardenne'sche Arbeitsteam kontrollieren zu lassen, konnte v. Ardenne die Kombination seiner SMT mit der UVB - er nannte sie HOT -, gutheißen [[1]]. Er deklarierte nur die Wirksamkeit der SMT als lang dauernd und die der UVB als vorübergehend, aber viele seiner jüngeren Mitarbeiter sahen das aus ihrer praktischen Sicht bald entgegen gesetzt. Optimal ist die Kombination.

Auch beim Vergleich der HOT und UVB gab es zunächst Fehleinschätzungen und zwar in der Art, dass man glaubte, wegen der größeren Sauerstoffmenge und aus der in der Praxis oft doppelt so langen Bestrahlungszeit bei der HOT eine größere Menge verfügbaren Singulettsauerstoff errechnen zu können [[8]]. Man verkannte dabei aber die Tatsache, dass das Blut bei der Retransfusion eine wesentlich längere Retransfusionszeit benötigt als bei der UVB. Bei der UVB sind Zeiten und Wege wesentlich kürzer, so dass die effektive Aufnahme von ROS in den Patienten bei beiden Verfahren wieder etwa gleich sind. Zumindest ergaben Laborvergleiche der Effekte beider Therapieformen in der Charité gut vergleichbare Werte [[9]]. Auch die Rate von Flushes nach beiden Verfahren spricht gegen eine geringere Wirksamkeit der UVB gegenüber der der HOT. Die Verlängerung der Bestrahlungszeit auf 10 Minuten, wie sie in den russischen Isolda-Geräten üblich ist, ergibt bei fast jedem Patienten einen Flush [[2]]. Dadurch wurde allerdings die klinische Wirksamkeit bei durchblutungsgestörten Patienten nicht unbedingt sicher gesteigert.

Als Fazit ergibt sich eine gute Kombinierbarkeit von Verfahren, die Sauerstoff substituieren mit Verfahren, die den Grad der Aktivierung des mehr angebotenen Sauerstoffs erhöhen. Das trifft besonders zu, wenn bei Sauerstoffaufnahme und -transport Störungen vorliegen, wie es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Fall ist, aber auch bei geriatrischen Indikationen.

Literatur

Korrespondenzadresse:

Dr. med. habil. G. Frick

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17493 Greifswald