Kids&Co
Kids&Co
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unterstützt Kinder und Jugendliche aus Familien mit
Suchtproblemen auf ihrem Weg zu einer altersentsprechenden Entwicklung
(Kids).
[1]
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nimmt die Familie als Ganzes[2] mit ihren
Anpassungsleistungen an die Abhängigkeit in den Blick. Dysfunktionale
Bewältigungsversuche der Angehörigen, häufig als
Co-Abhängigkeit bezeichnet, werden bearbeitet (Co).[3]
Gleichzeitig machen wir über Multiplikatoren- und
Öffentlichkeitsarbeit auf die Situation der betroffenen Kinder aufmerksam.
Als eines der bundesweit ersten Projekte mit dieser Zielsetzung hat Kids&Co
kommunale Bedeutung und überregionales Interesse erlangt.
In dem folgenden Beitrag wird Kids&Co dargestellt anhand
Organisatorischer Rahmen
Organisatorischer Rahmen
In der Entstehungsgeschichte von Kids&Co spiegelt sich der
Stellenwert des Themas zwischen Sucht- und Jugendhilfe: 1994 wurde Kids&Co
durch den Psychosozialen Dienst in Bergisch Gladbach ins Leben gerufen. Seit
1996 wird die Arbeit an der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und
Eltern (Katholische Erziehungsberatung e. V.) fortgeführt.
Die gewachsene Kooperation ermöglicht es, beiden
Handlungsfeldern gerecht zu werden.
Das Team besteht aus
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1 Dipl.-Sozialpädagogin und Familientherapeutin (¿
Stelle) (Leitung)
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1 Dipl.-Pädagogin (¿ Stelle)
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1 Erzieherin (Honorarkraft)
Finanziert wurde das Projekt in den ersten Jahren hauptsächlich
durch Stiftungsgelder, folgend durch eine Förderung des Landes
Nordrhein-Westfalen als Modellprojekt. Für die zweite Jahreshälfte
2001 konnte erstmals eine kommunale Kostenübernahme erreicht werden. Die
zukünftige Finanzierung ist nicht gesichert. Spenden erlauben
zusätzlich die Durchführung spezieller Aktivitäten.
Fachliche Reflexion wird durch folgendes Gefüge von Gremien
gewährleistet:
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teaminterne Supervision und Besprechungen
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trägerinterne Kooperationsgespräche mit Mitarbeitern
der Suchthilfe (Alkohol und illegale Drogen), dem Fachdienst Prävention,
der Leitung der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder sowie
der Trägervertretung der Katholischen Erziehungsberatung e. V.
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im Rahmen von zwei Arbeitskreisen findet fachlicher Austausch
über die Arbeit und Fortentwicklung der Hilfen statt. Praxisvertreter und
-vertreterinnen treffen sich regelmäßig erstens an der Katholischen
Fachhochschule NW (Abteilung Köln) unter Leitung von Prof. Dr. Michael
Klein und zweitens im Diözesancaritasverband.
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Fallbesprechungen mit Mitarbeitern der Beratungsstelle
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Supervision im „Großteam” und - soweit
es die Zeit erlaubt - Teilnahme an allen Abläufen der
Beratungsstelle.
Dank mittlerweile siebenjähriger beständiger Arbeit hat
Kids&Co sich als Ansprechpartner etabliert, so dass Überweisungen
neben der Sucht- und Drogenhilfe auch über Ärzte, niedergelassene
Therapeuten, Kindertageseinrichtungen, Schulen und die Jugendämter der
Region erfolgen. Zunehmend melden sich Familien oder Jugendliche auf eigene
Initiative an.
Formen der Hilfe
Formen der Hilfe
Das Spektrum unserer Arbeit soll Kinder aller Altersgruppen von
suchtbelasteten Eltern erreichen und den individuellen Bedürfnissen
gerecht werden. Je nach Bedarf variieren wir deshalb unsere Angebote und setzen
aus Kapazitätsgründen wechselnde Schwerpunkte. Alle Angebote sind
freiwillig, kostenfrei und unterliegen der Schweigepflicht.
Mutter-Kind-Gruppe
Dieses Angebot richtet sich an Mütter von Kindern im Alter
von 0-6 Jahren, die auf Grund der eigenen Suchtproblematik - oder
der ihres Partners - an gängigen Gruppenangeboten in
Familienbildungsstätten usw. nicht teilnehmen würden. Die Gruppe
findet in den Räumen der Drogenberatung statt. Hier geht es insbesondere
um konkrete Erziehungshilfe und beziehungsfördernde Erlebnisse zwischen
Mutter und Kind. Gleichzeitig finden die Frauen dort Gelegenheit zum
gegenseitigen Austausch.
Gruppen für Grundschulkinder
Die Kindergruppen bieten Kindern im Alter von 6-10 Jahren
einen geschützten Raum, um in Kontakt zu kommen mit
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sich selbst (Selbstwert, Individualität)
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ihren Erlebnissen (Bewältigung)
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anderen Kindern, die ähnliche Erfahrungen haben
(Entlastung).
Jugendliche
Aufgrund der knappen Budgetmittel sind derzeit
erlebnis-pädagogische Freizeiten für Jugendliche nicht möglich.
Zurzeit stehen wir Jugendlichen nur zu Einzelgesprächen bis zu jeweils
einmal wöchentlich zur Verfügung.
Elterngespräche
Effektive Hilfe für die Kinder erfordert meist auch Arbeit
mit den Eltern, um die Auswirkungen der Suchtkrankheit auf die Familie zu
bearbeiten, d. h. das elterliche Selbstwertgefühl und die
Erziehungskompetenz zu stärken, um damit die Beziehungen und kindlichen
Entwicklungsbedingungen so weit wie möglich zu bessern. Es bedeutet viel
Kraft, bedarf häufig einiger Zeit und mehrerer Anläufe im
Beratungsprozess, bis Eltern sich die Auswirkungen der familiären
Situation auf die eigenen Kinder anschauen können.
Das Konzept der Kindergruppen
Das Konzept der Kindergruppen
Die Gruppen bieten Grundschulkindern einen geschützten Raum,
um
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über die Situation zu Hause zu sprechen und dadurch
Verwirrung, Schuldgefühle und Ängste im Zusammenhang mit der
elterlichen Sucht zu bearbeiten,
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ein Gefühl von Zusammengehörigkeit zu entwickeln,
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eigene Stärken und Bewältigungsmuster zu entdecken und
den eigenen Gefühlen trauen zu lernen,
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Bedürfnisse zu erkennen und sich für sie
einzusetzen,
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sich anzuvertrauen und sich
abzugrenzen,
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kindgerecht das Phänomen „Abhängigkeit”
besser zu verstehen,
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sich auszuprobieren, einfach Kind sein zu können.
Der Aufnahme in die Kindergruppe geht eine diagnostische Phase
voraus. Durch den Aufenthalt im Spielzimmer der Beratungsstelle wird in dieser
Zeit die eingehende Beobachtung und Untersuchung des Kindes (Exploration)
möglich. Spielerische diagnostische Verfahren (z. B. Family
Relations Test, projektive Verfahren) ermöglichen einen Einblick in dessen
Erlebniswelt und Entwicklungsstand. Hier wird deutlich, ob eine
Gruppensituation förderlich für das Kind erscheint, gleichzeitig
dienen die Informationen der individuellen Behandlung in der Gruppe und als
Basis für begleitende Elterngespräche.
Voraussetzung für die Gruppenteilnahme des Kindes ist die
Zustimmung und Unterstützung mindestens eines
Elternteils/Erziehungsberechtigten. Ohne diesen Rückhalt droht das Kind
durch die Abwehr der Eltern sehr belastet zu werden, es gerät in einen
Loyalitätskonflikt. Die Leistung des Elternteils/der Eltern besteht vor
Gruppenbeginn darin, dem Kind die emotionale Erlaubnis zu geben, das Tabuthema
„Sucht” zu öffnen. Mutter und/oder Vater müssen
während des Gruppenprozesses bereit zu regelmäßigen
Gesprächen sein.[4] Die Gruppen treffen sich
wöchentlich jeweils für eine Stunde. Nach definierten Zeitabschnitten
kann die Zusammensetzung der Gruppe wechseln, die Verweildauer der Kinder in
der Gruppe variiert individuell. Aktuell haben wir zwei Kindergruppen. Die
erste Gruppe ist altershomogen (7-9 Jahre) und gemischtgeschlechtlich
(zwei Mädchen und vier Jungen). Mit der zweiten Gruppe folgen wir dem
geschlechtsspezifischen Ansatz, hier arbeitet eine Kollegin mit drei
Mädchen im Alter von 6 bis 8 Jahren.
Die Treffen finden wöchentlich im Gruppenraum der
Beratungsstelle statt. Jede Stunde beginnt mit einer Runde, in der die Kinder
von neuesten Erlebnissen, Ideen und Sorgen erzählen. Darauf folgt ein
inhaltlicher Teil, der sich meist aus der vorherigen Stunde ergibt bzw. dort
anknüpft. Die Mitarbeiterinnen entwickeln in Nach- und Vorbereitung Ideen,
die sie den Kindern vorschlagen.