Grundproblematik und Fragestellung: Infektionen mit Masern, Mumps, Röteln und Varizellen gelten als typische Kinderkrankheiten. In der Regel heilen sie komplikationslos aus und hinterlassen eine lebenslange Immunität. Jedoch gibt es durchaus schwere Krankheitsverläufe, besonders auch bei Immungeschwächten. In der Frühschwangerschaft sind zudem Infektionen mit Röteln aufgrund der Embryopathie sehr gefürchtet. Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird seit den 80er Jahren öffentlich empfohlen, seit Juli 2001 ebenfalls die Varizellenimpfung bei nicht-immunen Jugendlichen. In dieser Studie wurden die Populationsimmunität und das Vorhandensein von Immunitätslücken gegenüber diesen Erkrankungen untersucht.
Methodik: Zur Bestimmung der Immunität wurden Serumproben ausgewertet, die am Institut für Medizinische Virologie der Universitätsklinik Frankfurt zwischen 1.1.1999 und 31.12.2000 auf Antikörper gegen Masern (n = 915), Mumps (n = 857), Röteln (n = 1886) und Varizellen (n = 2291) untersucht wurden. Die Bestimmung der Seroprävalenzen erfolgte in verschiedenen Altersklassen.
Ergebnisse: Es ließ sich gegenüber Masern, Mumps, Röteln und Varizellen Immunitätslücken finden, die im Kindesalter am ausgeprägtesten, mit zunehmenden Lebensalter jedoch rückläufig waren. Bei Varizellen fiel der Anteil der Seronegativen in der Altersgruppe der 1- bis 4-Jährigen von 74 % auf 32 % bei den 5- bis 9-Jährigen. Auch bei Röteln war die Anzahl der Seronegativen ebenfalls im Kindesalter mit 40 % am höchsten und sank auf weniger als 10 % in der Altersklasse der 15- bis 19-Jährigen ab. Von dieser Altersklasse an zeigten etwa 80 % der Seropositiven eine ausreichende Rötelnimmunität.
Folgerungen: Die vorliegende Studie zeigt, dass weiterhin Immunitätslücken bestehen. Dies gilt besonders auch gegenüber Varizellen; hier ist neuerdings eine Impfung der seronegativen Jugendlichen empfohlen. Prinzipiell sollten Immunisierungsraten von über 95 % gerade in den gefährdeten Jahrgängen des frühen Kindesalters erreicht werden.
Epidemiological analysis of immunity against vaccine-preventable diseases: rubella, measles, mumps and varicella zoster virus
Background and objective: Measles, mumps, rubella and varicella zoster virus (VZV) infections are regarded as typical diseases of childhood: They are normally clinically mild and result in lifelong immunity. Severe clinical disease is known in immunocompromised patients; rubella virus infections during pregnancy often result in congenital rubella syndrome. All these diseases are preventable by vaccination which is recommended in Germany, recently vaccination against VZV for teenager without immunity since July 2001. In the following study we screened for immunity against the four viruses.
Patients and methods: Serum samples were obtained at the Institute of Medical Virology Frankfurt/Main from January 1999 until December 2000. We tested for specific antibodies against measles (n = 915), against mumps (n = 857), against rubella (n = 1886) and against VZV (n = 2291). Seroprevalences were determined in different age groups.
Results: Altogether the highest rate of seronegatives is detected in younger children. VZV-seronegativity rates decrease from 74 % to 32 % in younger children. Against rubella also in this age group rate of seronegatives is found in 40 % and less than 10 % by teenagers. From this age group also immunity against rubella is found approximately in 80 % of seropositives.
Conclusions: The following study shows that high seronegative rates are detectable, and here specially against VZV-specific antibodies. For seronegative teenagers, vaccination against VZV is now recommended in Germany. Immunization rates of at least 95 % in childhood would be effective in avoiding severe courses of disease and giving protection in pregnancy.