Ausgangsbasis des PEGPAK
Ausgangsbasis des PEGPAK
Die Ausweitung der Public-Health-Diskussion um riskante,
hochriskante und missbräuchliche Konsummuster hat auch zur Folge
ge<!?breakb b16>habt, dass über selbst verantwortliche, selbst
bestimmte Einflussnahmen auf problematische Konsummuster nachgedacht wurde, die
möglicherweise eine Abhängigkeitserkrankung verhindern oder
„abpuffern” [1 10].
PEGPAK nimmt diese Diskussionsentwicklungen auf und geht davon aus,
dass jede Form der Konsumreduzierung gesundheitliche, soziale und psychische
Risiken der Alkoholkonsumenten senkt und somit gesundheitsförderlich und
suchtpräventiv wirksam sein kann.
Was sind die Zielsetzungen von PEGPAK?
Was beinhaltet
PEGPAK?
Was sind die Zielsetzungen von PEGPAK?
Was beinhaltet
PEGPAK?
PEGPAK ist ein manualisiertes, achtzehnstündiges, ambulantes
Gruppenprogramm für Menschen mit problematischem Alkoholkonsum, verteilt
auf neun Gruppentreffen. PEGPAK umfasst sieben inhaltliche Kernbausteine. Die
max. Teilnehmerzahl einer geschlossenen Gruppe beinhaltet 14-18 Personen.
Psychoedukation ist integraler Bestandteil des Programms: psychoedukative
Informationsvermittlung ersetzt die klassische (oft psychodynamische) Therapie.
Es wird davon ausgegangen, dass langjährige Alkoholkonsumenten kurzfristig
positive Erfahrungen mit der Wirkung und Funktion von Alkoholkonsum haben. Die
langfristig negativen Folgen des Alkoholkonsums können in eine
konflikthafte Situation zu dem eigenen Trinkverhalten geraten. Deshalb wird
Ambivalenz - das Schwanken zwischen zwei Zielsetzungen: Jemand
möchte den Konsum ändern und gleichzeitig beibehalten - als
grundlegende Voraussetzung und als jederzeitige Bedingung für das
Verhalten von Menschen mit Alkoholproblemen angesehen [11]. Zur Veranschaulichung wird das
„Waage-Modell” eingeführt werden.
Ambivalente Prozesse können in verschiedene Phasen der
Motivation - Vorüberlegungen, Entscheidungsphase, Handlungsphase,
Aufrechterhaltungsphase, Abstinenzbeendigungsphase - hineinführen
[12]. Zur Veranschaulichung wird das
„Zug-Modell” eingeführt werden.
Diese einzelnen Phasen selbst kontrollierend, selbständig zu
beeinflussen mit dem Ziel, problematischen Konsum abzubauen und gesundes
Konsumverhalten aufzubauen, dies ist der Grundansatzpunkt des psychoedukativen
Gruppenprogramms PEGPAK. Im Einzelnen:
Struktur des Schulungsprogramms PEGPAK (Bausteine)
Struktur des Schulungsprogramms PEGPAK (Bausteine)
Baustein 1
Einführung in das Gruppenprogramm und allgemeine Grundlagen
problematischen Alkoholkonsums. Den Teilnehmern wird der Aufbau des
psychoedukativen Programms erklärt. Ferner werden in dieser Einheit erste
grundlegende Informationen über Alkoholkonsum, positive
Wirkungserfahrungen und langfristig negative Folgen des Alkoholkonsums
vermittelt.
Baustein 2
Bestimmungselemente und Folgen eines problematischen
Alkoholkonsums: Hier wird über Ursachenerklärungen von
problematischem Alkoholkonsum aus wissenschaftlicher Sicht informiert. Diese
Informationen werden kritisch diskutiert und gleichzeitig wird auf die
Bewertung gesellschaftlicher stigmatisierender Prozesse von problematischem
Alkoholkonsum hingewiesen.
Baustein 3
Zielbestimmung und Selbstmanagement bei problematischem
Alkoholkonsum. In dieser Informationseinheit werden den Teilnehmern folgende
Informationen gegeben: Risikofreiheit in Bezug auf gesundheitliche, soziale und
psychische Folgen aufgrund eines problematischen Alkoholkonsums bedeutet
Abstinenz, den so genannten „Null-Konsum”.
Zur Information über risikoarmen,
gesundheitsverträglichen Konsum wird der Begriff
„Standardgetränke” eingeführt. Es gilt folgende
Regelung: 14 Standardgetränke für Frauen pro Woche und 21
Standardgetränke für Männer pro Woche werden als risikoarmer,
gesundheitsverträglicher Konsum angesehen. Ein Standardgetränk ist
0,2 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein bzw. Sekt. Menschen, die nicht mehr als die
oben angegebene Anzahl von Standardgetränken pro Woche konsumieren,
bewegen sich in einem Konsumbereich, der als risikoarmer,
gesundheitsverträglicher Konsum bezeichnet wird.
Falls Menschen sich für die Option
gesundheitsverträglicher, risikoarmer Konsum entscheiden, gelten folgende
Empfehlungen:
-
Keine Spirituosen trinken, sondern nur niedrig prozentige
Alkoholika wie Wein, Bier und Sekt. Der Konsum hochprozentiger Alkoholika ist
hochriskant, weil diese in einem Zehntel der Zeit die zehnfache Wirkung
erzielen können.
-
Mindestens zwei konsumfreie Tage pro Woche.
Nachdem die Teilnehmer des Programms grundsätzliche
Informationen über Abstinenz und risikoarmen,
gesundheitsverträglichen Konsum erhalten haben, werden die jeweiligen Vor-
und Nachteile dieser beiden Zielsetzungen individuell abgewogen:
Vorteile von Nullkonsum: hohes Maß an Zufriedenheit,
Klarheit in der Definition des Zieles, möglicherweise hoher Zugewinn von
Lebensqualität, Freisetzung von Energie, die nicht zur Kontrolle des
Suchtmittelkonsums benötigt werden muss.
Nachteile von Nullkonsum: ein sehr hohes Ziel und eine sehr hohe
Anforderung, dieses Ziel kann für viele Menschen erdrückend sein,
starker Druck, nie mehr Alkohol konsumieren zu dürfen.
Vorteile von gesundheitsverträglichem, risikoarmem Konsum:
kein prinzipieller Verzicht auf Alkohol, zeitweiser Genuss ist möglich,
unter Umständen weniger Suchtdruck und Craving.
Nachteile von gesundheitsverträglichem, risikoarmem Konsum:
hohes Ausmaß an Kontrollenergie erforderlich, die vorgegebenen
Konsummengen einzuhalten, Verzicht auf intensives Rauscherleben.
Mit den empfohlenen Standardeinheiten zum
gesundheitsverträglichen Konsum ist der Hinweis verknüpft, dass
intensives Rauscherleben als Ziel eines intentionalen Trinkens ausgeschlossen
ist. Menschen mit schweren körperlichen Begleit- und Folgeerkrankungen
wird ausschließlich die Zielsetzung Nullkonsum empfohlen.
Baustein 4
Selbstmanagementstrategien zur Beibehaltung von positiv
veränderten Alkoholkonsumgewohnheiten: Hier geht es um die Wahrnehmung von
Risikosituationen und um Selbstmanagement in individuellen
Risikosituationen.
Baustein 5
Selbstmanagement in besonderen Risikosituationen: Hier werden
besondere Risikosituationen zur Beibehaltung selbst bestimmter Zielsetzungen
thematisiert, wie z. B. der Umgang mit Suchtdruck und Craving,
grundlegende Informationen zum Thema Umgang mit Niedergeschlagenheit und
Depressivität sowie Umgang mit Angst und Anspannung. Modellhaft werden
Vorgehensweisen zur Steigerung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
erarbeitet.
Baustein 6
Probleme lösen und Lebensstiländerungen angesichts
problematischer Alkoholkonsumgewohnheiten vornehmen: In diesem Baustein werden
informativ und modellhaft Strategien des Problemlösetrainings dargestellt
sowie Hinweise zur Lebensstiländerung vor dem Hintergrund der
Veränderung problematischer Alkoholkonsumgewohnheiten gegeben.
Baustein 7
Vorgehensweisen beim Verlassen bzw. Aufgabe der selbst bestimmten
Zielsetzungen bezüglich problematischer Alkoholkonsumgewohnheiten: Hier
werden grundlegende Informationen vermittelt, welche Strategien erfolgreich
angewandt werden können, wenn die selbst vorgenommenen Zielsetzungen nicht
erreicht werden können oder von diesen Zielsetzungen abgewichen wird. Ein
persönlicher Krisenplan wird zum Ende der letzten Informationseinheit
erstellt.
Diese sieben Bausteine bilden die Kernelemente des
psychoedukativen Gruppenprogramms. Baustein 3 wurde näher erläutert,
weil dieser ein zentrales Element von PEGPAK darstellt: Wahlfreiheit zu
Nullkonsum oder risikoarmem, gesundheitsverträglichem Konsum.
Ergebnisse der Pilotstudie zu PEGPAK
Ergebnisse der Pilotstudie zu PEGPAK
Die Beschreibung der Untersuchungsgruppe zu Beginn des
Gruppenprogramms in den Jahren 1996 und 1997 ist den Tab. [1] und [2] zu entnehmen.
Die dargestellten Merkmale weisen auf die versorgungsspezifischen
Rahmenbedingungen der Pilotstudie hin: eine ambulante, (teil-)stationäre
Akutversorgungseinrichtung im psychiatrischen Kontext. Das alkoholbedingte
Störungsbild zeigt in der Mehrzahl die zentralen Merkmale eines
Abhängigkeitssyndroms: Schädliche Konsummuster über lange
Zeiträume und tägliche Trinkepisoden sind deutlich im Vordergrund,
die Screnningverfahren LAST [15] und MALT-S
[13] in Verbindung mit ICD-9-Diagnosekriterien weisen
in diese Richtung. Es stehen teilweise umfangreiche Vorbehandlungserfahrungen
im suchtspezifischen Versorgungsbereich zur Verfügung. Differenziell zeigt
sich im TAI [14] ein
erhöhter Schweregrad des alkoholbezogenen Störungsbildes und das
deutliche Vorliegen problematischer Konsumfolgen.
Tab. 1 Merkmale der
PEGPAK-Gruppen aus den Jahren 1996 und
1997
Merkmal | Wartegruppe | Trainings-Gruppe prä | Trainings-Gruppe post | Drop-outs prä-post | Trainings-Gruppe nach 12 Monaten | Drop-outs nach 12
Monaten |
Anzahl | 34 | 34 | 29 | 5 | 27 | 2 |
Männer | 18 | 18 | 16 | 2 | 15 | 1 |
Frauen | 16 | 16 | 13 | 3 | 12 | 1 |
Alter | 40,1 | 40,1 | 39,9 | | 40,3 | |
Altersspanne | 19-62 | 19-62 | 19-60 | | 19-60 | |
Drop-outs | | | | 20,8 % | | 6,9 % |
Tab. 2 Diagnosebezogene
Merkmale der PEGPAK-Gruppen
(n = 27)
MALT-S | 13,9 |
LAST | 4,0 |
ICD-9 Abhängigkeit | 26 |
ICD-9 Missbrauch | 1 |
Regelmäßiger Alkoholkonsum seit | 13,7 Jahren |
Beeinträchtigungen der Konsumkontrolle
seit | 7,2
Jahren |
Stationäre Entzugsbehandlungen | 58 % |
Stationäre Entwöhnungsbehandlungen | 23 % |
Trierer Alkoholismusinventar: | |
TAI 1 | 66,8 |
TAI 2 | 26,7 |
TAI 3 | 29,6 |
TAI 4 | 44,9 |
TAI 5 | 15,0 |
TAI 6 | 14,7 |
TAI 7 | 11,9 |
Der Tab. [3] ist zu entnehmen, dass
die alkoholkonsumbezogene Veränderungsbereitschaft, überprüft
mit RCQ-D [15], auf eine
reflektiv-ambivalente bzw. handlungsbezogene Motivationslage hinweist.
Internal-generalisierte Kontrollüberzeugungen in deutlicher
Ausprägung, überprüft mit FKK
[16], und sozial-externale Kontrollüberzeugungen
zu Krankheit und Gesundheit, überprüft mit KKG [17], geben Hinweise auf
eine hohe Bereitschaft, sich selbstverantwortlich mit dem eigenen
problematischen Alkoholkonsum auseinander zu setzen bzw. eine erhöhte
Compliance bei Maßnahmen zur Bewältigung von Krankheitsfolgen
einzusetzen. Zusätzlich zum alkoholbedingten Störungsbild treten
ausgeprägte Befindlichkeitsstörungen wie Depressivität,
überprüft mit BDI [18], und allgemeine Ängstlichkeit,
überprüft mit STAI-T [19], in den Vordergrund.
Das gewählte quasi-experimentelle Untersuchungsdesign zur
Überprüfung von kurz- und langfristigen Veränderungen im
Prä-Post-Vergleich bzw. im Nachuntersuchungszeitraum von 12 Monaten ist
die Eigen-Warte-Kontrollgruppe, zur statistischen Überprüfung werden
verteilungsfreie, non-parametrische Verfahren herangezogen, wie sie von Bortz,
Lienert [20] für ähnliche Bedingungen
vorgeschlagen werden, hier der Vorzeichen- und der
Vorzeichenrangtest nach Wilcoxon
[21].
Die kurz- und längerfristigen Veränderungen in der
PEGPAK-Gruppe mit n = 29 bzw. n = 27
Teilnehmern lassen sich der Tab. [3]
entnehmen:
-
Kurzfristig im Prä-Post-Vergleich erhöhen sich die
handlungsbezogene Veränderungsbereitschaft als Motivationslage (RCQ-D),
die sozial-externalen Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit
(KKG), die generalisierten
Selbstwirksamkeitsüberzeugungen (FKK) und das
positive Erleben und Verhalten aus retrospektiver Perspektive,
überprüft mit VEV [22]; kurzfristig reduzieren sich die allgemeine
ängstliche Befindlichkeit (STAI-T), die
wöchentlichen Konsummengen und die riskant-schädlichen
Alkoholkonsummuster.
-
Langfristig im Prä-12-Monate-Vergleich erhöht sich die
handlungsbezogene Veränderungsbereitschaft als Motiovationslage bei
gleichzeitiger Abnahme der ambivalent-reflektiven Motivationslage (RCQ-D); das Selbstkonzept eigener Fähigkeiten, die
generalisierten Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und die generalisierte
Internalität nehmen zu (FKK); langfristig nimmt
die ängstliche und depressive Befindlichkeit ab (STAI-T, BDI); fatalistisch-externale
Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit reduzieren sich (KKG), ebenso die sozial bedingte Externalität und die
fatalistisch-generalisierte Externalität in den allgemeinen
Kontrollüberzeugungen (FKK); Konsumrisiken,
riskant-schädliche Konsummuster und wöchentliche Konsummengen sind
langfristig deutlich reduziert worden.
Tab. 3 Überprüfung
von Veränderungen durch
PEGPAK
Veränderungsbereich | PEGPAK prä
n = 34 | PEGPAK post
n = 29 | Überprüfung Prä -
post* | PEGPAK 12
Monate n = 27 | Überprüfung prä - 12 Monate[]
|
KKG
| | | | | |
KKG-I | 29,6 | 30,4 | n. s. | 28,0 | n. s. |
KKG-P | 21,7 | 24,9 | s.
(+) | 25,0 | n. s. |
KKG-C | 18,6 | 17,2 | n. s. | 17,3 | s.
(-) |
FKK
| | | | | |
FKK-SK | 28,7 | 30,8 | n. s. | 32,4 | s.
(+) |
FKK-I | 32,5 | 33,7 | n. s. | 34,8 | n. s. |
FKK-P | 23,2 | 21,1 | n. s. | 19,0 | s.
(-) |
FKK-C | 19,4 | 19,0 | n. s. | 20,5 | s.
(-) |
FKK-SKI | 61,2 | 64,5 | s.
(+) | 67,2 | s. (+) |
FKK-PC | 42,6 | 40,1 | n. s. | 39,5 | s.
(-) |
FKK-SKI-PC | 18,6 | 24,4 | n. s. | 27,7 | s.
(+) |
RCQ-D
| | | | | |
RCQ-P | 61,3 | 63,5 | n. s. | 51,5 | n. s. |
RCQ-C | 138,1 | 125,8 | n. s. | 60,5 | s.
(-) |
RCQ-A | 137,4 | 148,0 | s.
(+) | 85,5 | s. (+) |
STAI-T
| 46,2 | 45,1 | s.
(-) | 38,2 | s.(-) |
BDI
| 11,6 | 10,4 | n. s. | 7,4 | s.
(-) |
Std.Getränke pro Woche | 153,2 | 0,95 | s.
(-) | 4,7 | s.
(-) |
VEV
| | 197,7 | Positive
Veränderung | | |
Konsumrisiken
| | | | | |
hochriskant | 28 | 0 | - | 4 | - |
risikoarm | 5 | 6 | | 15 | + |
risikofrei | 1 | 23 | + | 8 | + |
Konsummuster
| | | | | |
Nullkonsum | 1 | 23 | + | 8 | + |
90 % konsumfrei | 0 | 0 | | 5 | + |
gesundheitsverträglich | 0 | 2 | + | 3 | + |
70 % konsumfrei mit exzessivem
Konsum | 5 | 2 | - | 7 | + |
30 % konsumfrei mit exzessivem
Konsum | 28 | 0 | - | 4 | - |
* Im Rahmen einer Pilot-Studie mit einem
Eigen-Warte-Gruppen-Untersuchungsdesign wurden zur Überprüfung
verteilungsfreie, non-parametrische statistische Verfahren eingesetzt, wie der
Vorzeichen- und der Vorzeichenrangtest nach Wilcoxon.
|
Der Tab. [4] sind die
programminduzierten Zielentwicklungen über einen Zeitraum von einem Jahr
zu entnehmen: Etwa 11 % der Programmteilnehmer wechseln in diesem
Zeitraum ihre alkoholbezogene Zielsetzung als Hinweis auf eine hohe
Zielsetzungsstabilität. Bei der selbst bestimmten Zielsetzung
„Nullkonsum” kommt es zu einem Zielwechsel („risikoarmer,
gesundheitsverträglicher Alkoholkonsum”), bei der selbst bestimmten
Zielsetzung „risikoarmer, gesundheitsverträglicher
Alkoholkonsum” kommt es zu zwei Zielwechseln
(„Nullkonsum”). Nach 12 Monaten streben etwa 78 %
der Programmteilnehmer das Ziel „Nullkonsum” an und haben dieses
Konsumziel in 48 % der Fälle erfolgreich umgesetzt; etwa
22 % der Programmteilnehmer streben das Konsumziel
„risikoarmer, gesundheitsverträglicher Alkoholkonsum” an und
haben dieses Ziel in 50 % der Fälle erfolgreich
umgesetzt.
Tab. 4 Zielentwicklungen in
der PEGPAK-Gruppe
(n = 27)
| nach 12
Monaten: Null-Konsum
| nach 12 Monaten: risikoarmer,
gesundheitsverträglicher Konsum
| insgesamt während PEGPAK |
Null-Konsum
| 20 | 1 |
21
|
risikoarmer, gesundheitsverträglicher
Konsum
| 2 | 4 |
6
|
insgesamt nach 12 Monaten |
22
|
5
|
27
|
Bei einem Vergleich der Vorbehandlungen im stationär-
klinischen Versorgungsbereich haben alle PEGPAK-Nutzer unter Einbezug der
Dropouts ein Jahr vor Beginn des Gruppenprogramms 1149 Akutbehandlungstage, ein
Jahr nach Abschluss des Gruppenprogramms weisen die gleichen PEGPAK-Nutzer 927
Akutbehandlungstage auf, eine Reduktion von 19,3 %. Bei einer
entsprechenden halbjährlichen Differenzuntersuchung der
Akutbehandlungstage im stationär-klinischen Setting zeigt sich eine
Reduktion von 32,3 %. Diese Ergebnisse geben erste Hinweise auf
die mögliche Effizienz bzw. Kosteneffektivität dieses
Gruppenprogramms.
Im Umgang mit alkoholkonsumbezogenen Risikosituationen geben 4 der
27 Programmteilnehmer an, in den 12 Monaten nach Abschluss des Gruppenprogramms
keine so definierte Risikosituation erlebt zu haben. Ohne krisenhafte
Zuspitzung konnten 10 Nutzer diese Risikosituationen unter Einsatz der
vermittelten Selbstmanagementstrategien bewältigen, zwei Nutzer griffen
auf Hilfen durch Selbsthilfegruppen zurück, vier Nutzer nahmen
hauptsächlich ambulante Hilfen in Anspruch, sechs Nutzer mussten auf
(teil-)stationäre Hilfen zurückgreifen, um eine krisenhafte
Zuspitzung zu vermeiden. Fünf Nutzer konnten die aus den Risikosituationen
erwachsenen, krisenhaften Zuspitzungen nicht bewältigen und waren
ausschließlich auf Fremdhilfe angewiesen. Etwa 60 % der
Programmnutzer waren über einen Zeitraum von einem Jahr in der Lage, ohne
Inanspruchnahme von professioneller Hilfe alkoholkonsumspezifische
Risikosituationen eigenständig zu bewältigen.
Eine qualitative Bewertung von PEGPAK wurde durch die Programmnutzer
(n = 26) vorgenommen. Viele Hinweise sprechen für
eine gute Akzeptanz des Gruppenprogramms:
-
Die Beteilungsquote lag bei etwa 87 %,
-
die Dropout-Rate lag bei etwa 21 %,
-
sehr gute Bewertungen erhielten die Programmelemente
„Allgemeine Informationen zum problematischen Alkoholkonsum”,
„Bewältigungsstrategien für Risikosituationen” und
„Verhalten der Trainer”,
-
sehr gute Bewertungen erhielten die Programm-Bausteine
„Lebensstiländerungen und Krisenvorbeugung”,
„Problemlösungskompetenz und Bewältigung von Angst und
Depression” und die narrative Vermittlung des stadienförmigen
Veränderungsprozesses („Zug”) und des Ambivalenzmodells
(„Waage”),
-
es bestand bei den Programmnutzern ein hohe
Übereinstimmung, PEGPAK weiterzuempfehlen.
Die dargestellten Ergebnisse der Pilotstudie weisen darauf hin, dass
PEGPAK, dessen Evidenz aufgrund des eingesetzten Untersuchungsdesigns noch
nicht abschließend wissenschaftlich gesichert ist, sich als
versorgungseffektiv erwiesen hat. Für zukünftige
Evidenzuntersuchungen ist ein randomisiertes, kontrolliertes
Untersuchungsdesign erforderlich. Die Überprüfung der
Effektivität von PEGPAK in der Routinepraxis einer ambulanten und
(teil-)stationär organisierten Akutversorgungseinrichtung konnte
ansatzweise nachgewiesen werden. Weiterhin gibt es Hinweise, dass das zugrunde
liegende theoretische Veränderungsmodell tragfähig ist.
Ausblick und Resümee
Ausblick und Resümee
Folgende Ergebnisse der Überprüfung von Wirksamkeit und
Akzeptanz des Gruppenprogramms PEGPAK sind entscheidend:
-
Die sachliche Informationsvermittlung vor dem Hintergrund eines
hochstigmatisierten Themas ist in der Durchführung gelungen,
-
die Wahl- und Zieloptionen im Rahmen des Programms bewirken die
Erleichterung der späteren Entscheidung für Nullkonsum und
Abstinenz,
-
die Konsumintensität und -frequenz nehmen bezogen auf
Konsummengen deutlich ab, krisenprohylaktisches Verhalten reduziert die
alkoholbezogene Problematik deutlich,
-
das Programm insgesamt erfährt eine hohe Akzeptanz durch
die Nutzer,
-
das Programm lässt einen weitgehenden Verzicht auf
gruppenbezogene Interventionen und damit verbundene Gruppendynamiken zu,
-
das Programm weist einen hohen Grad von Strukturierung und
Übersichtlichkeit auf, was auf hohe Akzeptanz durch die Nutzer
stößt,
-
die didaktische Aufarbeitung der Programminhalte wird in hohem
Maße durch die Nutzer positiv bewertet,
-
die im Programm vorgesehenen Aufgabenstellungen
(„Hausaufgaben”) führen zur Aktivierung der Teilnehmer im
Sinne der Selbstmanagement-Strategie,
-
das Setting mit neun jeweils zweistündigen Gruppentreffen
genügt den Anforderungen einer sekundärpräventiven Strategie,
die als Kurzzeitintervention zu beschreiben ist,
-
die Zielgruppenoffenheit von riskanten Alkoholnutzern bis hin zu
schwerstabhängigen Abhängigkeitskranken konnte nachgewiesen
werden.
Die Manualisierung des Programms und die Möglichkeit der
Schulung von Moderatoren, die zuvor keine profunde suchtpsychotherapeutische
Qualifikation nachweisen müssen, erlauben, es in vielfältigen Feldern
der allgemeinen Gesundheitsversorgung einzusetzen. Um eine flexible,
settingangepasste Anwendung in diesem Kontext zu leisten, ist es denkbar,
folgende Änderungen (spätere Versionen) vorzunehmen:
-
ausgewählte Präsentation einzelner Bausteine,
-
Integration von Programmelementen in ein umfassendes ambulantes
oder (teil-)stationäres suchtspezifisches Rehabilitationsprogramm,
-
Integration von Programmelementen in komplementäre
suchtspezifische Versorgungsprogramme, wie ambulant betreutes Wohnen, Heime
usw.,
-
Integration von Programmelementen in die qualifizierte
Alkoholentzugsbehandlung in Akutbehandlungseinrichtungen als Bestandteil eines
Stationsprogramms oder eines Tagesklinikprogramms
-
Einbeziehung des Programms in die suchtbezogene
Versorgungsforschung.
Eine weitere Änderungsidee besteht darin, das Programm so
umzuarbeiten, dass es als Selbstlernprogramm - als ein Lesebuch in
Eigenregie - oder als Download auf einer Webseite zur allgemeinen
Verfügung steht.
Es erscheint darüber hinaus notwendig, Moderatorenschulungen
anzubieten, das zeigen erste Erfahrungen mit solchen Schulungen aus den Jahren
1999 und 2000. Neben einer inhaltlichen Einführung, dem konkreten
Üben der Programmpräsentation, hat die Vermittlung einer geeigneten
therapeutischen Grundhaltung zentrale Bedeutung. Klientenzentrierte
Gesprächsführung, angemessener Umgang mit Abwehr und Widerstrand, die
Einnahme einer neutralen Position zu ambivalenten Einstellungen und
Gefühlen, der kreative Einsatz von didaktischen Materialien, das
Herstellen einer hohen Verbindlichkeit und Verlässlichkeit, Respekt und
Wertschätzung sind in diesem Zusammenhang besonders zu
berücksichtigen. Hilfreich ist dabei die Vermittlung der Prinzipien der
„Motivierenden Gesprächsführung” von William Miller und
Stephen Rollnick [11]. Im Rahmen dieser
Moderatorenschulungen sind erste kreative Änderungen des PEGPAK-Programms
erfolgt und ein Netzwerk von Kontakten ist zustande gekommen.
Das Schulungsprogramm PEGPAK bietet in der vorgelegten Form
ausreichend Möglichkeiten für die erforderlichen Änderungen an,
um eine breite Anwendung, insbesondere im sekundärpräventiven Sinn,
sicherzustellen. Vor dem Hintergrund der Schlüsselkategorie
„problematischer Alkoholkonsum” verbunden mit spezifischen
Interventionen, die Selbstkontrolle und Selbstregulation zum Inhalt haben, die
die Integration von Zielfindung und -aktivierung mit darauf bezogenen
Selbstmanagementstrategien aufnehmen und damit die Autonomie des Nutzers in den
Vordergrund rücken, wird eine Public-Health-Perspektive in der Versorgung
von Menschen mit alkoholbezogenen Problemen und Störungen eingenommen.
Literatur
Literatur