Hintergrund
Hintergrund
Formoterol und Salmeterol sind langwirksame β2 -Sympathomimetika mit einer dokumentierten Wirkdauer von über 10 - 12 Stunden. Gegenüber
Salmeterol ist Formoterol ein voller Agonist am β2 -Rezeptor mit höherer intrinsischer Aktivität. Formoterol zeigt einen schnelleren
Wirkungseintritt als Salmeterol sowohl in vitro an der glatten Muskelzelle [1 ]
[2 ] als auch in vivo bei asthmatischen Patienten [3 ]
[4 ]. Anders als Salmeterol kann Formoterol daher auch zur Kupierung einer akuten Atemwegsobstruktion
eingesetzt werden. Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die bedarfsadaptierte
Inhalation von Formoterol gegenüber kurzwirksamen β2 -Sympathomimetika wie Terbutalin bei gleicher Verträglichkeit überlegen ist [5 ]. Der Stellenwert von Formoterol und Salmeterol in der Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen
ist durch eine Vielzahl klinischer Studien belegt [6 ]
[7 ]. Sind z. B. asthmatische Beschwerden trotz einer konsequenten Therapie mit topischen
Kortikoiden nicht zu kontrollieren und besteht ein gehäufter Bedarf an kurzwirksamen
β2 -Sympathomimetika mit insbesondere nächtlichen Beschwerden, so sehen aktuelle Therapieempfehlungen
eine Erweiterung der Behandlung um ein langwirksames Bronchospasmolytikum vor [8 ]. Es ist wiederholt gezeigt worden, dass bei mangelhafter Asthma-Kontrolle die zusätzliche
Gabe langwirksamer inhalativer β2 -Sympathomimetika einer Erhöhung der Dosis topischer Steroide hinsichtlich der klinischen
Wirksamkeit überlegen ist [6 ]
[7 ]
[9 ]. Gegenüber einer Dauertherapie mit kurzwirksamen β2 -Sympathomimetika verbessern langwirksame β2 -Sympathomimetika alle funktionellen Parameter der obstruktiven Ventilationsstörung,
die klinische Symptomatik, Nachtruhe und Lebensqualität von Patienten mit Asthma bronchiale
bei vergleichbarer Verträglichkeit [10 ]
[11 ]
[12 ].
Auch für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary
disease, COPD) liegen mittlerweile zahlreiche Untersuchungen zur Wirksamkeit langwirksamer
β2 -Sympathomimetika vor [13 ]
[14 ]. Zwischen Asthma bronchiale und COPD bestehen klinisch zahlreiche Überlappungen,
die eine diagnostische Unterscheidung in der klinischen Praxis mit realistischem Aufwand
häufig schwierig machen. Wenngleich es sich bei der COPD definitionsgemäß um eine
Erkrankung mit allenfalls geringgradig reversibler Atemwegsobstruktion handelt [15 ], weisen viele Patienten dennoch eine partielle Reversibilität in der Lungenfunktionsprüfung
auf [16 ]
[17 ]. Dabei ist wiederholt gezeigt worden, dass die alleinige Erfassung spirometrischer
Parameter wie 1-Sekunden-Kapazität (FEV1 ) nicht ausreichend repräsentativ für die Beurteilung des Effektes einer bronchospasmolytischen
Substanz ist. Vielmehr scheinen hier andere physiologische Messgrößen wie pulmonale
Überblähung, 6-Minuten-Lauftest oder FIV1 zum Teil empfindlichere Zielgrößen zu sein [18 ]
[19 ]. Mit der Bodyplethysmographie lassen sich über die Spirometrie hinaus Lungenfunktionsgrößen
wie spezifischer Atemwegswiderstand (sRaw) zuverlässig und reproduzierbar erfassen.
Bislang liegen zu bodyplethysmographischen Effekten von langwirksamen β2 -Sympathomimetika bei mittel- bis schwergradiger Atemwegsobstruktion nur vereinzelte
Untersuchungen vor [20 ]
[21 ]. Ziel der vorliegenden Untersuchung war daher die Überprüfung des Wirkeintritts
von Formoterol bei Patienten mit mittel- bis schwergradiger, partiell reversibler
obstruktiver Atemwegserkrankung. Bei diesen Patienten erscheint beim Gebrauch von
β2 -Sympathomimetika sowohl in der Dauertherapie als auch bei akuten Beschwerden ein
rascher Wirkungseintritt wünschenswert. Es wurde daher als primäres Zielkriterium
prospektiv die Zeit bis zum Eintritt einer bronchodilatatorischen Wirkung vor und
nach einer 14-tägigen Behandlung mit Formoterol (Pulverinhalation mittels Aerolizer®)
oder Salmeterol (Pulverinhalation mittels Diskus ®) untersucht.
Material und Methoden
Material und Methoden
Patienten
Es wurden 60 Patienten mit mittel- bis schwergradiger Atemwegsobstruktion (IVC 2,37
l ± 0,68 l, Spanne 1,06 - 3,88 l ; FEV1 1,09 l ± 0,46 l [40,6 ± 15 % des Sollwertes], Spanne 0,45 l - 2,31 l [17 - 73 % des
Sollwertes]; sRaw 5,7 ± 3,31 kPa*s, Spanne 2 - 17 kPa*s) nach ATS-Kriterien [22 ] in die Studie eingeschlossen. Einschlusskriterien waren neben der dokumentierten
Atemwegsobstruktion eine partielle Reversibilität der obstruktiven Atemwegserkrankung
(> 15 % des Ausgangswertes) nach Inhalation von 400 µg Salbutamol (Glaxo Wellcome,
Bad Oldesloe). Die Therapie der obstruktiven Atemwegserkrankung sowie etwaiger Begleiterkrankungen
musste in den letzten 4 Wochen vor Studienbeginn unverändert geblieben sein, insbesondere
galt dies für die Dosis inhalierbarer und/oder systemischer Kortikosteroide. Die bestehende
Medikation der obstruktiven Atemwegserkrankung wurde unverändert fortgesetzt, mit
Ausnahme oraler oder inhalativer langwirksamer β2 -Sympathomimetika während der Studie.
Ausschlusskriterien waren eine Exazerbation der Atemwegserkrankung und/oder eine akute
Infektion der Atemwege, maligne Erkrankungen, Schwangerschaft bzw. Stillzeit, fehlende
Kontrazeption, pathologische Laborabweichungen in Blutbild und/oder klinischer Chemie
(Leber- und Nierenparameter), eine nach Urteil des Prüfarztes mit der Teilnahme an
der Prüfung unvereinbare schwerwiegende Grund- oder Begleiterkrankung sowie die Teilnahme
an einer anderen klinischen Prüfung während 30 Tagen vor Studienbeginn.
Studiendesign
Die randomisierte, kontrollierte, prospektive, einfach-blinde Parallelgruppen-Studie
wurde monozentrisch zwischen Dezember 1997 und August 1999 am Klinikum Chemnitz durchgeführt.
Die Prüfmedikation bestand aus Formoterol (Foradil Aerolizer®, 12 µg/Inhalationskapsel,
Tagesdosis 2 × 12 µg; Novartis Pharma AG, Basel, Schweiz) oder Salmeterol (Serevent
Diskus®, 50 µg/Hub, Tagesdosis 2 × 50 µg; Glaxo Wellcome GmbH, Bad Oldesloe) und wurde
morgens und abends im Abstand von 12 Stunden inhaliert. Zur Kontrolle akuter obstruktiver
Beschwerden erhielten die Patienten ein kurzwirksames β2 -Sympathomimetikum (Salbutamol Dosieraerosol, 100 µg/Hub, Glaxo Wellcome GmbH, Bad
Oldesloe).
Die Studiendauer betrug 15 Tage. Es erfolgten insgesamt 4 Visiten (Screening, Visite
1: Tag 1, Visite 2: Tag 7, Visite 3: Tag 14) pro Patient. Untersuchungen hinsichtlich
des Wirkeintritts der Prüfsubstanzen wurden bei Visite 1 und bei Visite 3 durchgeführt.
Während der gesamten Studiendauer wurde die Medikamenteneinnahme zur Überprüfung der
Compliance in Tagebuchform festgehalten. Körperliche Untersuchungen und Laborkontrollen
inklusive klinischer Chemie, Glukose und Serum-Elektrolyte erfolgten beim Screening
sowie den Visiten 2 und 3.
Prüfplan und Patienteninformationen wurden von der Ethikkommission der Sächsischen
Ärztekammer geprüft und genehmigt. Die Studie wurde unter Beachtung aktueller Richtlinien
(Arzneimittelgesetz, Good Clinical Practice, Deklaration von Helsinki) durchgeführt.
Alle Studienteilnehmer waren bei Studieneintritt volljährig und erklärten nach eingehender
mündlicher und schriftlicher Aufklärung über Zweck und Durchführung der Medikamentenprüfung
schriftlich ihr Einverständnis.
Lungenfunktion (Bodyplethysmographie, Spirometrie)
Primäres Zielkriterium war die Zeit bis zum Wirkeintritt von Formoterol und Salmeterol
an Tag 1 und nach 14-tägiger Behandlungsdauer. Als Zeitpunkt des Wirkeintrittes wurde
der Zeitpunkt eines 10 %igen Abfalls des spezifischen Atemwegswiderstandes (sRAw)
gegenüber dem Ausgangswert definiert, da die Variabilität der Methode unter standardisierten
Bedingungen zwischen 5 und 10 % beziffert wird [23 ]
[24 ]. Der sRaw wurde bodyplethysmographisch an Tag 1 und 14 in der ersten Stunde nach
Inhalation der Prüfsubstanz zu insgesamt 10 Zeitpunkten (0, 1, 2, 3, 5, 10, 15, 20,
30, 60 Minuten) sowie im weiteren Verlauf stündlich bis Stunde 12 gemessen.
Zusätzlich zur Bestimmung von sRaw wurde beim Screening sowie am Morgen von Visite
1 und 3 die Ein-Sekundenkapazität (FEV1 ) bestimmt.
Vor den Messungen durften mindestens 12 Stunden keine langwirksamen, bzw. 4 Stunden
keine kurzwirksamen β2 -Sympathomimetika appliziert werden.
Die Messungen wurden in einem Ganzkörperplethysmographen (Jäger, Masterlab II, Würzburg)
mit integriertem Spirometriemessplatz nach den Qualitätskriterien der ATS durchgeführt.
Verträglichkeit
Während des gesamten Prüfzeitraumes wurden vom Prüfarzt unerwünschte Ereignisse (UE)
und Begleitmedikation erfasst. Jedes im Studienzeitraum aufgetretene unerwünschte
Ereignis wurde unabhängig von einem möglichen Zusammenhang mit der Prüfmedikation
dokumentiert. Unerwünschte Ereignisse waren alle beim Patienten auftretenden Befindlichkeitsstörungen
bzw. subjektiven oder objektiven Krankheitssymptome. Als schwerwiegend wurden unerwünschte
Ereignisse eingestuft, wenn sie lebensbedrohlich waren bzw. zu einem stationären Krankenhausaufenthalt,
einer dauernden und/oder schweren Behinderung führten, sowie jeder Todesfall und jede
maligne Erkrankung. Darüber hinaus erfolgte bei jedem Arztbesuch eine körperliche
Untersuchung mit Dokumentation von Blutdruck und Puls.
Statistische Analyse
Alle Resultate sind, soweit nicht anders angeführt, als arithmetische Mittelwerte
± Standardabweichung (SD) bzw. als Median und Spanne angegeben. Die Analyse der Zeit
bis zum Wirkeintritt (sRaw -10 %prä Inhalationem ) wurde mittels Rangsummentest oder Vorzeichentest nach Wilcoxon vorgenommen. Es
wurde dabei das Intention-to-treat-Prinzip (ITT) zugrunde gelegt, d. h. jeder Patient,
der mindestens einmal Formoterol oder Salmeterol angewendet hatte, wurde in die Analyse
einbezogen (n = 60). Fehlende Werte von Zwischenkontrollen wurden nach dem Prinzip
„Last Value Carried Forward” ergänzt. Das Signifikanzniveau wurde bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit
von unter 5 % (p < 0,05) angesetzt.
Ergebnisse
Ergebnisse
Patienten
Das ITT-Kollektiv bestand aus 60 Patienten, die randomisiert einem der beiden Behandlungsarme
zugeteilt wurden (30 Patienten Formoterol 2 × 12 µg, 30 Patienten Salmeterol 2 × 50
µg). Die demografischen Daten waren in der Formoterolgruppe und der Salmeterolgruppe
vergleichbar. Ebenso unterschieden sich Dauer und Schwere der obstruktiven Atemwegserkrankung
in beiden Gruppen nicht (Tab. [1 ]). 21 Patienten (70 %) in der Formoterol- und 20 Patienten (66,7 %) in der Salmeterolgruppe
standen im Studienzeitraum unter einer systemischen Kortikosteroidtherapie.
Tab. 1 Demografische Daten bei Visite 1
Salmeterol Diskus
Formoterol Aerolizer
Patientenzahl (n)
30
30
Alter (Jahre: Median/Spanne)
66 (40 - 78)
63,5 (28 - 84)
Geschlecht (M% : W%)
70 : 30
60 : 40
BMI (kg/m2 )
26 ± 4,2
26 ± 5,1
KH-Dauer (Jahre: Median/Spanne)
11,5 (1 - 59)
9,5 (1 - 53)
FEV1 (% Sollwert, Mittelwert)
40,7 ± 17,6
40,5 ± 13,3
Der Anteil aktiver, bzw. ehemaliger Raucher war mit 21,7 % bzw. 55 % hoch. Aufgrund
der Anamnese (Alter, Rauchgewohnheiten, Allergien) hatten 76,6 % der Patienten nach
Einschätzung der Prüfärzte eine COPD (ICD 10 J 44.9), bei 23,4 % der Patienten lag
ein Asthma bronchiale (ICD J45.0 und J 45.1) vor. Die prozentuale Verteilung der Rauchgewohnheiten
und beider Diagnosen war in den Behandlungsarmen jeweils vergleichbar.
Häufige Begleiterkrankungen waren Herzinsuffizienz (32 %), Adipositas (28,3 %), essenzielle
Hypertonie (25 %), Diabetes mellitus (15 %) und Hyperurikämie (13 %). Atopische Begleiterkrankungen
lagen nur bei wenigen Studienteilnehmern vor (allergische Rhinitis: 8 %, atopische
Dermatitis: 6,7 %).
Visite 1
Wirkeintritt (spezifischer Atemwegswiderstand sRaw)
Der morgendliche mittlere spezifische Atemwegswiderstand vor der Inhalation der Studienmedikation
war bei Visite 1 in beiden Gruppen vergleichbar (Formoterol: 5,49 ± 3,32 kPa*s; Salmeterol:
5,92 ± 3,35 kPa*s; p > 0,1). Nach erster Inhalation der Prüfsubstanzen kam es in beiden
Therapiearmen zu einem Abfall des sRaw auf im Mittel maximal 43,7 % (Formoterol) bzw.
49,3 % (Salmeterol) des Ausgangswertes. Bezüglich der maximalen Wirkung auf sRaw fanden
sich zwischen Formoterol und Salmeterol keine signifikanten Unterschiede. In der Formoterolgruppe
kam es jedoch signifikant früher als in der Salmeterolgruppe zum definierten Wirkeintritt
(1,43 ± 0,9 vs. 15,13 ± 34,55 Minuten nach Inhalation; p < 0,0001; Abb. [1 ]).
Abb. 1 Wirkeintritt (sRaw - 10 %) von Formoterol und Salmeterol bei Visite 1. (Mittelwert
sRaw (% des Ausgangswertes) und Standardabweichung).
Visite 3
Wirkeintritt (spezifischer Atemwegswiderstand sRaw)
Nach zwei Wochen Behandlung mit Formoterol oder Salmeterol fand sich in beiden Gruppen
ein gegenüber dem Ausgangswert (vor Behandlung) signifikant verminderter sRaw (Formoterol
5,49 ± 3,32 kPa*s vs. 3,47 ± 2,14 kPa*s; Salmeterol 5,92 ± 3,35 kPa*s vs. 4,18 ± 3,8
kPa*s; p < 0,05; beide Vergleiche). Korrespondierend hierzu fand sich in beiden Gruppen
ein verbessertes morgendliches FEV1 (Abb. [3 ]). Zwischen den Behandlungsgruppen fanden sich bei Visite 3 für den morgendlichen
mittleren Atemwegswiderstand vor Inhalation der Studienmedikation keine signifikanten
Unterschiede (Formoterol: 3,47 ± 2,14 kPa*s; Salmeterol: 4,18 ± 3,8 kPa*s; p > 0,1).
Abb. 3 Ausgangswerte für das FEV1 bei Visite 1 und nach 14-tägiger Behandlung bei Visite 3 in beiden Gruppen (Mittelwert
FEV1 (l) und Standardabweichung; * p < 0,05, beide Vergleiche).
Nach Inhalation der Prüfmedikation kam es in der Formoterolgruppe erneut signifikant
früher als in der Salmeterolgruppe zum definierten Wirkeintritt (6,23 ± 21,61 min.
vs. 51,03 ± 135,21 min. nach Inhalation; p < 0,0001) (Abb. [2 ]). Bezüglich des maximalen Effektes gab es auch bei Visite 3 keine Unterschiede zwischen
der Formoterol- bzw. Salmeterolgruppe.
Abb. 2 Wirkeintritt (sRaw - 10 %) von Formoterol und Salmeterol bei Visite 3 (Mittelwert
sRaw (% des Ausgangswertes) und Standardabweichung).
Verträglichkeit
Im Verlauf der Studie trat ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (eitrige Bronchitis
mit verlängerter Hospitalisierung) auf, das jedoch vom behandelnden Prüfarzt nicht
mit der Prüfmedikation (Formoterol) in Zusammenhang gebracht wurde.
Desweiteren kam es im Verlauf des Beobachtungszeitraumes zu 9 nicht schwerwiegenden
unerwünschten Ereignissen (UE), deren Zusammenhang mit der Prüfmedikation vom Prüfarzt
als „möglich”, „wahrscheinlich” oder „fast sicher” angenommen wurde. Diese UE betrafen
Symptome der bekannten Nebenwirkungen von β2 -Sympathomimetika (Kopfschmerzen, Tremor, Schwindel und Schlafstörungen) und Sodbrennen
(Tab. [2 ]).
Tab. 2 Unerwünschte Ereignisse mit nach Einschätzung des Prüfarztes möglichem, wahrscheinlichem
oder sicherem Zusammenhang mit der Prüfmedikation
unerwünschtes Ereignis
Formoterol
Salmeterol
Kopfschmerzen
1
2
Tremor
1
Sodbrennen
2
Schwindel
2
Schlafstörungen
1
Blutdruck und Puls waren in beiden Behandlungsgruppen gleich und blieben während der
Behandlungsphase unverändert. Laborwerte (Hämatologie, klinische Chemie, Elektrolyte)
blieben im Mittel im Normbereich, es traten keine klinisch relevanten Veränderungen
der Laborwerte auf, die auf die Studienmedikation zurückzuführen waren. Bei einem
Patienten aus der Formoterolgruppe kam es unter der Therapie zu einer milden Hypokaliämie
(K+ 2,9 mmol/l).
Diskussion
Diskussion
Ziel dieser prospektiven, einfach-blinden, monozentrischen Studie war der bodyplethysmographische
Vergleich des Wirkeintritts der beiden langwirksamen β2 -Sympathomimetika Formoterol und Salmeterol vor und nach einer 14-tägigen Behandlung
bei Patienten mit mittel- bis schwergradiger, partiell reversibler Atemwegsobstruktion.
Die Ergebnisse belegen den gegenüber Salmeterol auch bodyplethysmographisch dokumentierten
schnelleren Wirkeintritt von Formoterol, sowohl initial als auch nach Abschluss einer
14-tägigen Dauertherapie mit Formoterol bzw. Salmeterol. Beide Substanzen unterschieden
sich im maximalen Wirkeffekt nicht signifikant.
In die klinische Prüfung wurden Patienten mit mittel- bis schwergradiger obstruktiver
Atemwegserkrankung aufgenommen. Das mittlere FEV1 lag bei allen Patienten etwa um 40 % des Sollwertes. Für diese Patienten sehen alle
aktuellen Therapieempfehlungen von Fachgesellschaften eine Dauertherapie mit langwirksamen
β2 -Sympathomimetika vor unabhängig davon, ob es sich um eine eher als Asthma oder eher
als COPD anzusprechende Erkrankung handelt. Bei der Auswahl der Teilnehmer wurde daher
auf eine strenge Trennung zwischen Patienten mit Asthma bronchiale und COPD verzichtet,
zumal diese Differenzierung im klinischen Alltag mit realistischem Aufwand häufig
ohnehin nicht durchführbar ist. Die für ein Kollektiv von Patienten mit obstruktiven
Atemwegserkrankungen niedrige Prävalenz atopischer Begleiterkrankungen, der hohe Anteil
aktiver und ehemaliger Raucher sowie Altersverteilung und Spektrum der Begleiterkrankungen
legen jedoch nahe, dass es sich bei der überwiegenden Mehrzahl der Probanden um Patienten
mit COPD handelte. Gerade diese Patienten stellen im klinischen Alltag häufig Problemfälle
dar, die zudem eine breite und relevante Ko-Morbidität aufweisen. Trotz der offensichtlichen
Dominanz von COPD-Patienten in dem vorgestellten Patientenkollektiv wiesen alle Probanden
eine Reversibilität der Atemwegsobstruktion, gemessen am FEV1 , von mindestens 15 % auf. Anthonisen u. Mitarb. untersuchten die Reversibilität von
985 Patienten mit COPD, und fanden eine partielle Reversibilität von mindestens 20
% bei einem knappen Drittel der Patienten [16 ]. Auch andere Untersuchungen weisen darauf hin, dass bei einem substanziellen Anteil
von COPD-Patienten keine fixe, irreversible Bronchialobstruktion vorliegt [17 ]
[25 ]. Es ist wiederholt darüber diskutiert worden, inwieweit es sich bei solchen Patienten
um eine „echte” COPD handelt [26 ]. Dennoch bleibt festzuhalten, dass in der täglichen ärztlichen Praxis eine exakte
Differenzierung häufig nicht getroffen wird [27 ]
[28 ] bzw. die Indikation für eine Therapie mit langwirksamen β2 -Sympathomimetika sich häufig am unmittelbaren klinischen Effekt orientiert.
In der vorliegenden Untersuchung wurde primär der Effekt von Formoterol und Salmeterol
auf bodyplethysmographische Zielgrößen untersucht. Bislang liegen zu der hier vorgestellten
Patientengruppe mit mittel- bis schwergradiger, reversibler Atemwegsobstruktion keine
Daten zu bodyplethysmographischen Effekten vor. Die Mehrzahl der Untersuchungen mit
Bodyplethysmographie wurde mit pädiatrischen Patienten durchgeführt. Gegenüber der
spirometrischen Erfassung von FEV1 konnten Morice u. Mitarb. zeigen, dass die bodyplethysmographische Bestimmung der
spezifischen Leitfähigkeit (sGaw) sensitiver und weniger variabel den Effekt einer
bronchodilatatorischen Substanz widerspiegelte [20 ]. Diese Arbeiten belegen den ergänzenden Stellenwert der Bodyplethysmographie, insbesondere
im Hinblick auf die generelle Wertigkeit der Zielgröße FEV1 bei Patienten mit COPD.
Nach Inhalation von Formoterol kam es innerhalb der ersten Minuten zu einem raschen
Abfall des sRaw. Der im Studienprotokoll definierte Wirkeintritt (Abfall des sRaw
um 10 % des Ausgangswertes) wurde dabei im Mittel bereits 1,43 Minuten nach Inhalation
erreicht. Demgegenüber konnte der gleiche Effekt in der Salmeterolgruppe erst nach
15,13 Minuten beobachtet werden. Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit spirometrischen
Daten einer Dosis-Wirkungs-Studie von Cazzola u. Mitarb. Allerdings wurden dabei Formoterol
bzw. Salmeterol via Dosieraerosole appliziert [29 ]. Auch nach 14 Tagen Dauertherapie mit Formoterol bzw. Salmeterol ließ sich dieser
Unterschied belegen (Wirkeintritt nach 6,23 (Formoterol) vs. 51,03 Minuten (Salmeterol),
p = 0,001). Auffällig war, dass dabei der Wirkeintritt für beide Substanzen nach 14
Tagen gegenüber dem Ausgangswert verzögert zu verzeichnen war. Dies ist möglicherweise
im Rahmen der deutlich verbesserten Ausgangslungenfunktion in beiden Patientengruppen
zu interpretieren, da aufgrund des gewählten Zielkriteriums einer 10 %igen Verbesserung
von sRaw gegenüber dem Ausgangswert (vor Inhalation) diese Steigerung bei einigen
Patienten erst unter der maximalen Wirkung der jeweiligen Substanz erreicht wurde.
Dabei ließ sich der maximale Effekt von Formoterol bzw. Salmeterol auf sRaw sowohl
bei Visite 1 als auch bei Visite 3 zwischen 60 und 120 Minuten bzw. 120 - 180 Minuten
dokumentieren. Gleichwohl kann die Entwicklung einer zusätzlichen Toleranz gegenüber
dem bronchodilatatorischen Effekt beider Substanzen nicht völlig ausgeschlossen werden.
Allerdings war das vorliegende Studiendesign nicht dazu geeignet, eine eventuelle
Toleranzentwicklung bezüglich bronchoprotektiver bzw. bronchodilatatorischer Effekte
von langwirksamen β2 -Sympathomimetika zu erfassen. Weder wurde die unspezifische bronchiale Hyperreagibilität
erfasst, noch war die Behandlungsdauer ausreichend lang zur Beantwortung dieser Fragestellung.
Dennoch muss man aufgrund der vorliegenden Daten die Entwicklung von Toleranzeffekten
bei der Therapie mit langwirksamen β2 -Sympathomimetika sowohl in der Kurz- als auch Langzeittherapie in Betracht ziehen
und gegebenenfalls mit einem geeigneten Studiendesign überprüfen [30 ]
[31 ]. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass alle untersuchten Patienten
entweder mit inhalativen oder systemischen Kortikosteroiden behandelt worden waren.
Insgesamt belegen und ergänzen die vorliegenden Daten andere Arbeiten zum raschen
Wirkeintritt von Formoterol und legen nahe, dass die Substanz auch bei Patienten mit
schwergradiger Atemwegsobstruktion als Notfallmedikament geeignet sein könnte. Cazzola
u. Mitarb. untersuchten die Wirksamkeit von Formoterol als Bedarfsmedikation bei COPD-Patienten
mit einer akuten Exazerbation [32 ]. Dabei zeigte Formoterol in einer Dosis von 18 µg 15 Minuten nach Inhalation gegenüber
Plazebo eine optimale Bronchodilatation, die auch durch eine zusätzliche Dosis (kumulativ
27 µg) nicht weiter verbessert werden konnte. Bei Patienten mit schwergradigem Asthma
bronchiale war Formoterol als Bedarfsmedikation gegenüber den kurzwirksamen β2 -Sympathomimetika Terbutalin und Salbutamol äquipotent [33 ]. Zwar steht bei Patienten mit COPD aufgrund der geringeren Variabilität der Beschwerden
gegenüber Asthmatikern die kontinuierliche bronchodilatatorische Dauertherapie gegenüber
dem Akutgebrauch von β2 -Sympathomimetika im Vordergrund, dennoch könnte die zusätzliche Option eines bedarfsadaptierten
Gebrauchs von Formoterol die Therapie der obstruktiven Atemwegserkrankung zumindest
vereinfachen [34 ].
Sowohl in der Formoterolgruppe als auch in der Salmeterolgruppe konnte nach 14 Tagen
Dauertherapie in Übereinstimmung mit groß angelegten klinischen Studien zu Asthma
und COPD [6 ]
[7 ] eine deutliche Verbesserung der Ausgangslungenfunktion nach entsprechender Karenz
gegenüber β2 -Sympathomimetika festgestellt werden. Dabei zeigten sich bezüglich des Ausmaßes der
Verbesserung zwischen Formoterol und Salmeterol keine signifikanten Unterschiede.
Trotz der verbesserten Ausgangslungenfunktion konnte nach einer erneuten Inhalation
von Formoterol bzw. Salmeterol bei allen Patienten in beiden Gruppen eine erneute
Verbesserung von sRaw um mindestens 10 % dokumentiert werden.
Die Daten der vorliegenden Untersuchung belegen die gute Verträglichkeit von Formoterol
und Salmeterol, die auch in der Langzeittherapie ausreichend dokumentiert worden ist
[35 ]
[36 ]
[37 ].
Unerwünschte Nebenwirkungen der Prüfmedikation betrafen die für die Therapie mit β2 -Sympathomimetika typischen Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tremor,
Schwindel) und wurden etwa gleich häufig wie in anderen Studien [37 ]
[38 ]
[39 ] dokumentiert, wo derartige Ereignisse bei weniger als 5 % der Anwender aufgetreten
waren. Das im Rahmen der vorliegenden Studie aufgetretene schwerwiegende, unerwünschte
Ereignis wurde vom Prüfarzt nicht mit der Prüfmedikation in Zusammenhang gebracht.
Unter der Therapie sowohl mit kurz- als auch langwirksamen β2 -Sympathomimetika sind Hypokaliämien beobachtet worden [35 ]. In der vorliegenden Untersuchung konnte lediglich bei einem Patienten in der Formoterolgruppe
eine Hypokaliämie unter Therapie dokumentiert werden. Eine Tachykardie oder andere
Herzrhythmusstörung wurden bei keinem Patienten als unerwünschtes Ereignis dokumentiert.
Ebenso blieb die mittlere Herzfrequenz und der mittlere arterielle Blutdruck in beiden
Gruppen unter Therapie unverändert. Diese Beobachtungen sind von besonderer Relevanz,
da bei einem Großteil der eingeschlossenen Patienten kardiovaskuläre Begleiterkrankungen
(Herzinsuffizienz, KHK, Hypertonie) vorlagen. Gerade diese Patienten sollten in besonderem
Maße auf evtl. Nebenwirkungen von β2 -Sympathomimetika überwacht werden. Darüber hinaus konnten keine klinisch relevanten
Änderungen der übrigen internistischen Laborparameter inklusive der Blutglukose beobachtet
werden.
Die vorgestellte Studie weist die üblichen Limitationen einfach-blinder, vergleichender
Arzneimittelprüfungen auf. Es fehlte ein Kontrollarm (Plazebo) zur differenzierten
Bewertung der Ergebnisse. Andererseits fand die Studie unter realistischen Alltagsbedingungen
statt, d. h. es wurden auch aktiv rauchende Patienten mit relevanter Ko-Morbidität
in die Untersuchung aufgenommen, und auf eine strenge Trennung zwischen Asthma und
COPD verzichtet. Das Patientenkollektiv dürfte daher für einen nicht unbeträchtlichen
Teil der Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen in der täglichen Praxis repräsentativ
sein [40 ]
[41 ].
In der vorliegenden Studie konnte erstmalig bei Patienten mit mittel- bis schwergradiger,
partiell reversibler Atemwegsobstruktion gezeigt werden, dass Formoterol (Pulverinhalation
mittels Aerolizer®) einen raschen bronchodilatatorischen Effekt auf bodyplethymographische
Messgrößen aufweist. Der Wirkeintritt war gegenüber Salmeterol (Pulverinhalation mittels
Diskus®) sowohl initial als auch nach einer 14-tägigen Behandlungsphase deutlich schneller,
während die maximale Wirkung für beide Substanzen gleich war. Neben der herkömmlichen
Klassifikation von β2 -Sympathomimetika in kurz- und langwirksame sollte zusätzlich zwischen schnell und
verzögert wirksamen unterschieden werden.