Dtsch Med Wochenschr 2002; 127(38): 1966
DOI: 10.1055/s-2002-34199-2
Leserbriefe
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Erwiderung: Der Laktat-Ischämietest: Rationelle Myopathie-Diagnostik?

Zum Beitrag aus DMW 15/2002, Seite 818
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Publication Date:
28 April 2004 (online)

Der Laktatischämietest gibt wertvolle diagnostische Hinweise im Hinblick auf Störungen des Glykogenstoffwechsels und Myoadenylat-Deaminase-Defizits und wird seit 50 Jahren weltweit in der Myopathiediagnostik eingesetzt [1]. Die Möglichkeit einer Rhabdomyolyse bei der McArdle-Erkrankung besteht grundsätzlich bei anstrengender körperlicher Aktivität, auch ohne Ischämiebedingung [2]. Darüber hinaus hatte der von Lindner et al. [3] beschriebene Patient bereits vor Beginn des Versuches eine CK von 815 U/l, was klinisch-chemisch auf eine relevante Muskelschädigung hinwies [4]. Auch die von Meinck et al. [5] vorgestellte 57-jährige Patientin zeigte deutliche, z. T. über das 6fach erhöhte CK-Werte vor Beginn der anaeroben Belastung. In einer kürzlich erschienen Übersichtsarbeit wird der Laktat-Ischämietest im Rahmen der ätiologischen Differenzialdiagnostik der Rhabdomyolyse empfohlen [6]. Je nach Fragestellung können aerobe oder anaerobe Bedingungen, insbesondere bei mitochondrialen Erkrankungen, die diagnostische Güte des Belastungstests beeinflussen, so dass man den diagnostischen Nutzen und das wahrscheinlich geringe Risiko gegeneinander abwägen muss [7].

Um seltene Nebenwirkungen einer diagnostischen Methode zu beurteilen, müssen sehr viele Patienten untersucht werden. So sind z. B. etwa 300 Tests notwendig, um ein Ereignis, das mit einer Inzidenz von 1 pro 100 vorkommt, aufzudecken. Tritt das Ereignis seltener auf (etwa 1 pro 1100) benötigt man schon 3000 Patienten [8]. Einzelne Kasuistiken nicht geeignet, verlässlich das Risiko einer Methode abzuschätzen, können aber Anlass sein, Nebenwirkungen beider Verfahren gut zu dokumentieren und im Hinblick auf Sicherheit sowie mögliche optimierte Bedingungen auszuwerten.

Literatur

  • 1 Livingstone C, Chinnery P F, Turnbull D M. The ischemic lactate-ammonia test.  Ann Clin Biochem. 2001;  38 304-310
  • 2 McMillan M A, Hallworth M J, Doyle D, Briggs J D, Junor B J. Acute renal failure due to McArdleŽs disease.  Ren Fail. 1989;  11 23-25
  • 3 Lindner A, Reichert N, Eichhorn M, Zierz S. Acute compartment syndrome after forearm ischemic work test in a patient with McArdleŽs disease.  Neurology. 2001;  56 1779-1780
  • 4 Poels P JE, Gabreels F JM. Rhabdomyolysis: A review of the literature.  Clin Neurol Neurosurg. 1993;  95 175-192
  • 5 Meinck H M, Goebel H H, Rumpf K W, Kaiser H, Neumann P. The forearm ischaemic work test - hazardous to McArdle patients?.  J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1982;  45 1144-1146
  • 6 Sauret J M, Marinides G, Wang G K. Rhabdomyolysis.  Am Fam Physician. 2002;  65 907-912
  • 7 Hogrel J -Y, Laforet P, Yaou R B, Chevrot M, Eymard B, Lombès A. A non-ischemic forearm exercise test for the screening of the patients exercise intolerance.  Neurology. 2001;  56 1733-1738
  • 8 CIDMS (WHO) .Safety requirements for the first use of new drugs and diagnostic agents in man. Geneva 1983

Autoren

Dr. Dr. H. J. Koch,
Dr. G. Uyanik

Bezirksklinikum Regensburg

Dr. mult. C. Raschka

Inst. für Sportwissenschaften, Universität Frankfurt