Abstract
In der psychotherapeutischen Praxis stellen sich organtransplantierte PatientInnen noch selten vor. Die von ihnen berichteten Probleme aber sind eindrücklich. Das Selbsterleben scheint ein beständig bedrohtes, um Einheit ringendes Konstrukt zu sein. Das psychoanalytische Verständnis des Körpererlebens kann hier einen Zugang ermöglichen. Das Erleben des Ichs und das Körperbild sind durch wechselvolle erotische und narzisstische Besetzungen bestimmt. Im Anschluss an eine kurze Erläuterung dieser Überlegungen wird die Wirkung der Transplantation solider Organe beschrieben. Im Anschluss soll an einem Einzelfall im Längsschnitt die Wirkung der Transplantation exemplarisch beschrieben werden.
Key words
Erotisches und narzisstisches Körperbild - Transplantationsmedizin - Nierentransplantation - Organspende - Tagebuch
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1 Eine ausführliche Darstellung des Vorgehens findet sich in Decker (2004).
2 Die Eintragungen werden in der Formulierung und mit orthografischen Fehlern wiedergegeben. Dies geschieht, weil einige der Formulierungen von uns auch als „Privatsprache” sensu Lorenzer bzw. als „Verschreiber” gelesen worden sind.
Korrespondenzadresse:
Dr. phil. Oliver Decker
Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Universität Leipzig
Liebigstraße 21
04103 Leipzig