Etwa jede fünfte Brustkrebspatientin weist einen HER2-positiven Tumor auf, womit bekanntermaßen eine schlechte Prognose verbunden ist. Denn solche Tumoren zeichnen sich nicht nur durch ein aggressives Wachstumsverhalten aus, sie sind zumeist nur eingeschränkt chemosensibel. "Gerade für diese Fälle ist die Kombinationstherapie mit Docetaxel (Taxotere®) und Trastuzumab (Herceptin®), die in Deutschland seit Mitte des Jahres zugelassen ist, eine interessante Option", sagte Prof. W. Eiermann, München. Die Daten der Zulassungsstudie (M77001), welche die Kombination von Docetaxel und Trastuzumab mit einer Docetaxel-Monotherapie verglich, sprechen für sich: Mit der Kombination konnte erstmals eine mediane Überlebenszeit von über 30 Monaten erzielt werden, berichtete der Onkologe.
Warum man diese Studie aufgelegt hat, hat gute Gründe: Zum einen zählt Docetaxel zu den aktivsten Substanzen zur Therapie des Mammakarzinoms. Zudem ist die synergistische antineoplastische Aktivität von Docetaxel und Trastuzumab bereits aus präklinischen Studien bekannt, was verschiedene Phase-II-Studien mit objektiven Ansprechraten von im Schnitt 50-60% eindruckvoll bestätigen konnten. Und für die Kombination Paclitaxel - dem zweiten Taxan auf dem Markt - plus Herceptin in der First-line-Therapie des metastasierten HER2-positiven Mammakarzinoms waren im Vergleich zur Paclitaxel-Monotherapie bereits signifikant gesteigerte Überlebensraten dokumentiert (25 versus 18 Monate).
Bisherige Daten erneut eindrucksvoll bestätigt
Bisherige Daten erneut eindrucksvoll bestätigt
Insgesamt 188 Patientinnen mit HER2-positivemmetastasierten Mammakarzinom nahmen an der M77001-Studie teil. Zwei Drittel der Patientinnen waren bereits adjuvant mit Anthrazyklinen vorbehandelt, erklärte Eiermann - eine in dieser Situation nicht ungewöhnliche Zahl. Die Patientinnen erhielten randomisiert entweder Docetaxel (100 mg/m2 alle drei Wochen, mindestens sechs Zyklen) und Trastuzumab (initial: 4 mg/kg; anschließend wöchentlich bis zur Progression 2 mg/kg) oder eine Docetaxel-Monotherapie. Progredierte der Tumor unter der reinen Docetaxel-Therapie, war eine zusätzliche Applikation von Trastuzumab erlaubt.
"Die Kombination war der Monotherapie in allen Wirkungsparametern signifikant überlegen", fasste Eiermann die Studienergebnisse zusammen. So hatte sich beispielsweise die Ansprechrate unter der Kombinationstherapie fast verdoppelt (61 versus 34%, p = 0,003), was sich im progressionsfreien Überleben deutlich widerspiegelt: Betrug die Zeit bis zur Progression unter der Docetaxel-Monotherapie 5,7 Monate, standen unter der Kombinationstherapie hier 10,6 Monate zu Buche (p = 0,0001).
Hauptnebenwirkung der Therapie waren erwartungsgemäß Grad-3/4-Neutropenien - im Kombinationsarm waren 32% der Patientinnen betroffen, im Kontrollarm 22%. Febrile Neutropenien traten in 23 bzw. 17% der Fälle auf, blieben aber ohne klinische Komplikationen. Kein Problem waren laut Eiermann potenzielle relevante kardiale Ereignisse - trotz der hohen Zahl anthrazyklinvorbehandelter Patientinnen.
"Es lohnt sich also durchaus, über eine Taxan-Herceptin-Kombination zu sprechen", meinte Eiermann. Seiner klinischen Erfahrung nach sei dabei Docetaxel dem Paclitaxel sogar geringfügig überlegen.
Wie geht es weiter?
Wie geht es weiter?
Trotz dieser Erfolge ist die Suche nach neuen Perspektiven bei der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms natürlich nicht abgeschlossen. Eine weitere, erfolgversprechende Option sieht Eiermann beispielsweise in einer Kombinationstherapie mit Cisplatin bzw. Carpoplatin plus Docetaxel und Trastuzumab. Denn diese - noch nicht zugelassene - Dreierkombination konnte im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie die Zeit bis zur Progression von 7,4 auf 17 Monate verlängern. "Wir haben dramatisch lang andauernde Repressionen gesehen!", meinte Eiermann. "Die Frage ist jetzt, welchen Anteil daran das Platin besitzt."
Quelle: Presseroundtable "Zulassung für Taxotere/Herceptin als Erstbehandlung des HER2-positiven, metastasierten Mammakarzinoms erteilt", veranstaltet von der Aventis Pharma Deutschland GmbH, Bad Soden, und der Hoffmann La Roche AG, Grenzach-Wyhlen