Der Klinikarzt 2004; 33(11): XII
DOI: 10.1055/s-2004-836981
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Indikationsspektrum von Gemcitabin erweitert - Therapiefortschritt bei Mamma- und Ovarialkarzinom

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Publication Date:
02 December 2004 (online)

 
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War früher Methotrexat wesentlicher Bestandteil bei der Therapie des Mammakarzinoms, haben heute modernere Zytostatika seinen Wert etwas in den Hintergrund gerückt", sagte Prof. Dr. A. du Bois, Wiesbaden. Zu diesen Substanzen zählt Gemcitabin (Gemzar®), das seit seiner Einführung Mitte der 90er Jahre seinen Zulassungsstatus stetig ausgebaut hat: Mit der Zulassung für die Behandlung des anthrazyklinvorbehandelten metastasierten Mammakarzinoms im letzten Jahr und der Zulassung zur Therapie des Ovarialkarzinomrezidivs im Mai dieses Jahres ist Gemcitabin das erste moderne Zytostatikum, das bei fünf verschiedenen Tumoren zugelassen ist.

Auch in diesen neuen Indikationen ist die Kombination mit Gemcitabin eine effektive zytostatische Therapieoption, die tumorspezifische Beschwerden reduziert. Die hohe Wirksamkeit und das moderate Nebenwirkungsprofil wirken sich positiv auf die Lebensqualität der Patientinnen aus.

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Ein neuer Standard beim metastasierten Brustkrebs

Ob man bei Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom lieber eine Mono- oder eine Kombinationstherapie einsetzen sollte, wurde lange Zeit kontrovers diskutiert. Die hohe Effektivität der Kombination ging bisher meist mit einer hohen Nebenwirkungsrate und deutlich verminderter Lebensqualität einher. Mit der Kombination von Gemcitabin und Paclitaxel hat sich die Situation nun geändert. Laut einer aktuellen Phase-III-Studie verlängert diese Kombination die Überlebenszeit von Patientinnen mit anthrazyklinvorbehandeltem metastasierten Mammakarzinom im Vergleich zu einer Paclitaxel-Monotherapie um rund drei Monate (18,5 versus 15,8 Monate).

Die Ansprechraten haben sich unter der Kombination etwa verdoppelt: So waren unter der zusätzlichen Gabe von Gemcitabin signifikant mehr Remissionen zu verzeichnen (40,8 versus 22,1%), und blieb bei 30% der Patientinnen unter der Taxan-Monotherapie die Erkrankung über sechs Monate stabil, war dies unter der Kombination bei 44% der Fall. Auch die Zeit bis zur Progression verlängerte sich durch den Gemcitabin-Zusatz von 2,9 auf 5,2 Monate. Dementsprechend erhöhte sich die Einjahresüberlebensrate der Patientinnen von 60,9 auf 70,7%, und das relative Risiko, an der Erkrankung zu versterben, reduzierte sich um etwa ein Viertel.

Diese höhere Wirksamkeit geht jedoch nicht mit gesteigerten Nebenwirkungsraten einher. Die nichthämatologische Toxizität (Grad 3 und 4) war in beiden Studienarmen vergleichbar gering. Auch bezüglich der hämatologischen Toxizität gab es keinen signifikanten Unterschied - mit Ausnahme der Neutropenien. "Klinisch, also in einem Anstieg der febrilen Neutropenien, hat sich dies jedoch nicht ausgewirkt", meinte PD G. von Minckwitz, Neu Isenburg. "Bedingt durch die hohen Ansprechraten und die seltener auftretenden Nebenwirkungen verbesserte sich zudem die Lebensqualität der Patientinnen unter der Kombinationstherapie signifikant", so von Minckwitz.

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Ovarialkarzinom: Kombination mit besseren Resultaten

Anders als der Brustkrebs ist das Ovarialkarzinom ein relativ seltener Tumor - jedoch mit schlechter Prognose: In 70% der Fälle kommt es zu einem Rezidiv, 75-80% davon sind platinsensibel. Dabei lassen sich mit einer Kombinationstherapie mit Paclitaxel und Carboplatin bessere Resultate erzielen als mit einer Carboplatin-Monotherapie, weshalb diese Kombination seit gut einem Jahr als Standard gilt. Allerdings weist diese Therapieoption eine relevante Neurotoxizität auf. Besonders problematisch ist dies bei Patientinnen, die aufgrund der Vortherapie noch entsprechende Symptome aufweisen.

Daher startete die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) im Jahr 2001 eine Studie mit der Kombination Gemcitabin plus Carboplatin beim platinsensiblen Ovarialkarzinomrezidiv. Aufgrund dieser Studie erhielt Gemcitabin die Zulassung zur Therapie des Ovarialkarzinoms nach einem behandlungsfreien Intervall von mindestens sechs Monaten: Die Kombination zeigte sich einer alleinigen Carboplatintherapie in ihrer Wirkung überlegen.

So verlängerte die Kombinationstherapie das progressionfreie Intervall um fast drei Monate auf 8,6 Monate, die Ansprechrate war bei zusätzlicher Gabe von Gemcitabin mit 47,2% signifikant höher als bei derCarboplatin-Monotherapie (30,9%). Diese Überlegenheit war unabhängig von Alter, Performance-Status, Länge des therapiefreien Intervalls oder vorheriger Therapie mit Carboplatin oder der Carboplatin-Paclitaxel-Kombination.

Im Vergleich zur Carboplatin-Monotherapie verstärkte die zusätzliche Gemcitabin-Applikation die nichthämatologischen Toxizitäten nicht signifikant. Anämien, Thrombozytopenien und auch Neutropenien (Grad 3 und 4) waren zwar unter der Kombination häufiger zu verzeichnen, jedoch blieb dies ohne klinische Relevanz. Und - was für die Patientinnen ein wichtiger Faktor ist - mit einer Rate von nur etwa 15% ist eine Alopezie unter der gemcitabinhaltigen Therapie zwar häufiger als unter einerCarboplatin-Monotherapie, deutlich seltener jedoch als unter der Paclitaxel-Carboplatin-Therapie (100%).

"Damit steht mit Gemcitabin der zweite effektive Kombinationspartner für Carboplatin zur Behandlung des platinsensiblen Ovarialkarzinoms zur Verfügung, sodass heute eine individualisierte Therapieentscheidung möglich ist", fasste Prof. J. Pfisterer, Kiel, die Studienergebnisse zusammen.

sts

Quelle: Pressekonferenz "Gemzar in der Therapie gynäkologischer Tumoren - Zulassung beim Ovarialkarzinom und Überlebensvorteil beim Mammakarzinom" veranstaltet von der Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg