psychoneuro 2005; 31(4): 186
DOI: 10.1055/s-2005-869464
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Morbus Parkinson - Rasagilin - Eine neue Therapieoption

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Publication Date:
09 May 2005 (online)

 
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Die irreversible, unaufhaltsam progrediente Degeneration von dopaminergen Neuronen der Substantia nigra pars compacta (SNc) gilt nach wie vor als wesentliches pathologisches Substrat des Morbus Parkinson. Die Ätiologie ist unbekannt. Man nimmt an, dass genetische und Umweltfaktoren involviert sind. Zusätzlich zu derzeit verfügbaren symptomatischen und künftigen potenziellen neuroregenerativen Therapien ist ein Hauptziel die schnelle Entwicklung neuroprotektiver Behandlungsoptionen. Neuroprotektion bei Morbus Parkinson ist, laut Prof. Eldad Melamed, Tel Aviv, als eine Strategie definiert, die konzipiert ist, um den Untergang von dopaminergen Neuronen der Substantia nigra aufzuhalten oder zu verlangsamen, die Progredienz der Krankheit zu stoppen oder zu minimieren oder sogar den Übergang von der präsymptomatischen zur klinischen Phase zu verhindern.

Mit Rasagilin, einem irreversiblen Hemmer der Monoaminoxidase B (MAO-B), der nicht zu Amphetaminderivaten metabolisiert wird, soll demnächst eine innovative Therapieoption für die Kontrolle motorischer Symptome in frühen Stadien der Erkrankung bis hin zu späten Stadien mit Fluktuationen zur Verfügung stehen. Klinische Studien belegen eine symptomatische Wirkung von Rasagilin in Mono- und Kombinationstherapie ([1]-[3]). Darüber hinaus weisen präklinische Studien auch auf krankheitsmodifizierende neuroprotektive Effekte der Substanz hin.

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Verringerung motorischer Fluktuationen

Prof. Lutz Lachenmayer, Hamburg, stellte die sog. PRESTO-Studie ([2]) vor, eine 26-wöchige randomisierte, plazebokontrollierte, doppelblinde Parallelgruppenuntersuchung (Rasagilin n = 149, Plazebo n = 159) bei Parkinson-Patienten mit motorischen Fluktuationen trotz Kombinationstherapie. Unter der zusätzlichen Gabe von 1 mg Rasagilin/die nahm die tägliche "on-Zeit" signifikant gegenüber Plazebo zu (p < 0,0001); gleichzeitig ging die tägliche "off-Zeit" signifikant zurück (p < 0,0001). Rasagilin zeigte sich, bei einfacher Handhabung, gut verträglich (Einmalgabe, keine Titration).

Rasagilin ist in Kombination mit Levodopa bei der Verringerung motorischer Fluktuationen offenbar mindestens ebenso wirksam wie Entacapon. In der sog. LARGO-Studie ([3]), einer randomisierten, doppelblinden Multicenterstudie über 18 Wochen, erhielten 687 Parkinson-Patienten mit motorischen Fluktuationen zur vorbestehenden Kombinationstherapie 1 mg Rasagilin/die (n = 231) oder 200 mg Entacapon (n = 227) zu jeder Levodopa-Dosis oder Plazebo (n = 229). In beiden Verum-Gruppen kam es im Vergleich zu Plazebo zu einer signifikanten Steigerung der "on-Zeit" (Rasagilin: p ≤ 0,0001; Entacapon: p = 0,0003) und zu einer signifikanten Reduktion der "off-Zeit" (Rasagilin und Entacapon jeweils p ≤ 0,0001).

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Wichtiger Stellenwert in der Frühtherapie

Resümierend stellte Lachenmayer fest, dass der neue MAO-B-Hemmer Rasagilin einen wichtigen Stellenwert im zukünftigen Behandlungsplan der idiopathischen Parkinson-Krankheit in der Frühtherapie einnehmen wird (symptomatische Wirkung und neuroprotektive Potenz). Ein weiteres Indikationsgebiet wird der fortgeschrittene Morbus Parkinson sein. Hier kann bei fluktuierenden Patienten die "off-Zeit" signifikant verkürzt und die "on-Zeit" entsprechend verlängert werden, mit Besserung aller Kardinalsymptome. Die Besserung bei Einmalgabe von Rasagilin entspricht der Besserung unter Entacapon, das zu jeder Dopa-Dosis gegeben werden muss.

Rudolf Jumpertz

Satellitensymposium "Rasagilin - Eine neue Therapieoption für Morbus Parkinson" im Rahmen des 4. Deutschen Parkinson-Kongresses am 4. März 2005 in Frankfurt/Main veranstaltet von Lundbeck/Teva

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Literatur

  • 1 The Parkinson Study Group. A controlled trial of rasagiline in early Parkinson's disease. Arch Neurol 2002; 59: 1937-1943. 
  • 2 The Parkinson Study Group. A randomised placebo-controlled trial of rasagiline in Levodopa-treated patients with Parkinson's Disease and motor fluctuations (The PRESTO Study). Arch Neurol 2005; 62: 241-248. 
  • 3 Rascol O et al., Rasagiline as an adjunct to levodopa in patients with Parkinson's disease and motor fluctuations (LARGO, Lasting effect in Adjunct therapy with Rasagiline Given Once daily, study): a randomised, double-blind, parallel group trial. Lancet 2005, 365: 947-954. 
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Literatur

  • 1 The Parkinson Study Group. A controlled trial of rasagiline in early Parkinson's disease. Arch Neurol 2002; 59: 1937-1943. 
  • 2 The Parkinson Study Group. A randomised placebo-controlled trial of rasagiline in Levodopa-treated patients with Parkinson's Disease and motor fluctuations (The PRESTO Study). Arch Neurol 2005; 62: 241-248. 
  • 3 Rascol O et al., Rasagiline as an adjunct to levodopa in patients with Parkinson's disease and motor fluctuations (LARGO, Lasting effect in Adjunct therapy with Rasagiline Given Once daily, study): a randomised, double-blind, parallel group trial. Lancet 2005, 365: 947-954.