NOTARZT 2006; 22(4): 122-124
DOI: 10.1055/s-2006-932592
Fortbildung
Der toxikologische Notfall
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mitfahrgelegenheit

U.  Martens1 , T.  Moeser2 , F.  Martens3
  • 1Helios Klinikum Emil von Behring, Klinik für interdisziplinäre Intensiv- und Rettungsmedizin - Notfallzentrum (Chefarzt: Dr. O. Franke)
  • 2Malteser Rettungsdienst gGmbH, Nürtingen
  • 3Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin (Direktor: Prof. Dr. Ulrich Frei), Berlin
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Publication Date:
21 July 2006 (online)

Fall 1

Der Patient telefonierte mit seiner Arbeitskollegin und erzählte ihr, dass er die Mitfahrgelegenheit bei ihr nicht nutzen wolle, da er sich umbringen wolle. Daraufhin alarmierte diese die Polizei, der der Patient noch selbst die Tür öffnete. Beim Eintreffen des parallel alarmierten RTW konnte der Patient noch angeben, zwei Flaschen Sekt und eine Flasche Wein sowie Tabletten genommen zu haben. Kurze Zeit später beim Eintreffen des Notarztes war der Patient bereits komatös und bot zweimalig kurze generalisierte Krampfanfälle. Nach Intubation des bewusstlosen Patienten ohne weitere Analgosedierung, Legen eines peripheren Venenzuganges, Gabe von Volumen sowie Dopamin bei niedrigem Blutdruck erfolgte der Transport in ein nahe gelegenes Krankenhaus auf die dortige Intensivstation. Dort bot der intubierte und kontrolliert beatmete Patient eine Herzfrequenz von 90/min bei einem Blutdruck von 70/50 mm Hg. Die Ehefrau des Patienten berichtete von einer Einnahme von maximal 100 Tabletten eines Opipramol enthaltenden Medikamentes, das ihr Mann wegen Depressionen kontinuierlich nehme. Laborchemisch konnte eine Alkoholkonzentration von 1,95 g/l ermittelt werden. Aufgrund des Schockzustandes bestand eine metabolische Azidose (pH 7,299) infolge erhöhten Laktats von 6 mmol/l (54 mg/dl).

Nach Kohlegabe über eine Magensonde und unter Fortführung sowie langsamer Reduktion der Katecholamintherapie mit Dopamin und Noradrenalin stabilisierten sich die Kreislaufverhältnisse und die metabolischen Abweichungen, sodass der Patient am Vormittag des Folgetages extubiert werden konnte. Durch den später hinzugezogenen Psychiater konnte keine akute Suizidalität mehr erkannt werden, eine ambulante psychiatrische Anbindung wurde jedoch empfohlen.

Literatur

  • 1 Holoubek G, Müller W E. Specific modulation of sigma binding sites by the anxiolytic drug opipramol.  J Neural Transmission. 2003;  110 (10) 1169-1179
  • 2 Dunkley E JC, Isbister G K, Sibbritt D, Dawson A H, Whyte I M. The Hunter Serotonin Toxicity Criteria; simple and accurate diagnostic decision rules for serotonin toxicity.  Q J Med. 2003;  96 635-642
  • 3 Isbister G K, Bowe S J, Dawson A, Whyte I M. Relative Toxicity of Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (SSRIs) in Overdose.  Clin Toxicol. 2004;  42 (3) 277-285
  • 4 Boyer E W, Shannon M. The Serotonin Syndrome.  N Engl J Med. 2005;  352 1112-1120

Priv.-Doz. Dr. Frank Martens

Charité - Universitätsmedizin Berlin · Campus Virchow Klinikum · Klinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Email: frank.martens@charite.de