Zusammenfassung
Anamnese und klinischer Befund: Wir berichten von 5 heroinabhängigen Patienten (Alter 31 - 44 Jahre; 1 Frau, 4 Männer), deren Symptomatik durch Verschwommensehen und Diplopie gekennzeichnet war, rasch gefolgt von Dysarthrie und Dysphagie. Bei 3 Patienten stellte sich eine respiratorische Insuffizienz ein, die eine Langzeitbeatmung erforderte. In der körperlichen Untersuchung fanden sich Hirnnervenausfälle und z. T. große Spritzenabszesse.
Diagnose: Aufgrund der klinischen Symptomatik, des Verlaufs und des Ansprechens auf die spezifische Therapie diagnostizierten wir bei 4 unserer Patienten einen Wundbotulismus. Bei einem Patienten war die Anzüchtung von Clostridium botulinum aus Wundabstrichen beweisend.
Therapie und Verlauf: Die frühzeitige Verabreichung von Antitoxin ist therapeutisch und prognostisch entscheidend: Zwei unserer Patienten, die sofort nach stationärer Aufnahme Antitoxin erhielten, konnten bereits nach wenigen Tagen das Krankenhaus fast beschwerdefrei verlassen. Ferner war eine adjuvante antibiotische Therapie sowie bei 3 unserer Patienten ein chirurgisches Debridement von Wundabszessen erforderlich.
Folgerung: Progrediente Hirnnervenparesen bei Süchtigen, die Drogen intravenös und intramuskulär injizieren, sollten zu der Verdachtsdiagnose Wundbotulismus und einer umgehenden stationären Abklärung Anlass geben. Ein indirekter Toxinnachweis kann die Diagnose stützen, ist jedoch häufig falsch negativ.
Summary
History and admission findings: 5 heroin addicts (aged 31 - 44 years; 1 female, 4 men) presented with a history of blurred vision and diplopia followed by dysarthria. 3 of the patients also developed respiratory failure requiring long-term ventilatory support. Physical examination revealed cranial nerve deficits and abscesses at injection sites in 3 of them.
Diagnosis: In 4 patients wound botulism was diagnosed on the basis of symptoms, course of the illness and response to specific treatment. Clostridium botulinum was grown from wound swab in one patient.
Treatment and course: Two of the patients, having been injected with antitoxin immediately after admission, were discharged almost symptom-free after only a few days. Adjuvant antibiotics and, in 3 patients, surgical débridement of the abscesses were needed.
Conclusions: Progressive cranial nerve pareses in addicts who inject drugs intravenously or intramuscularly should raise the suspicion of wound botulism and require hospitalization. While indirect demonstration of toxin supports the diagnosis, false-negative results are common.
Schlüsselwörter
Wundbotulismus - Heroin - Deutschland - Drogenabhängige
Key words
wound botulismus - heroin - Germany - Drug addicts