Zusammenfassung
Hintergrund und Fragestellung: Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit einer spezialisierten Schlaganfallbehandlung auf Stroke Units haben viele Patienten keinen Zugang zu entsprechenden Institutionen. Die Kreisklinik Ebersberg wählte daher den Weg, die Behandlung der Schlaganfälle durch Kooperation mit Schlaganfallzentren über Einbindung in ein telemedizinisches Netzwerk zu optimieren. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Veränderung der Behandlungsqualität durch Auswertung anerkannter Indikatoren zu analysieren.
Methodik: Das TEMPiS-Konzept besteht aus dem Aufbau von Schlaganfallstationen, kontinuierlicher Fortbildung mit standardisierten Behandlungsempfehlungen und Qualitätssicherung sowie telemedizinischer Vernetzung mit Schlaganfallzentren. In der Kreisklinik Ebersberg wurden Zeiträume über jeweils ein Jahr vor und nach Projektbeginn verglichen. Die Dokumentation der Prozessqualität wurde anhand der Diagnosestatistik und der Patientenakten für den Zeitraum vor Projektbeginn retrospektiv und während des Pilotprojektes prospektiv durchgeführt. Zusätzlich wurden die Mortalität und die Versorgungssituation bei Patienten, die vor dem zur Aufnahme führenden Ereignis zu Hause gelebt hatten, innerhalb eines Jahres erhoben.
Ergebnisse: Vor Projektbeginn, vom 01.11.2001 bis 31.10.2002 wurden 299 Patienten (116 männlich, 183 weiblich) mit Schlaganfall bzw. transitorisch ischämischer Attacke (TIA) stationär behandelt. Im Projektzeitraum vom 07.07.2003 bis 06.07.2004 305 Patienten (149 männlich, 156 weiblich) aufgenommen. Die durchschnittliche Behandlungsdauer verkürzte sich von 12,1 auf 9,2 Tage. Statt 1,3 % wurden 10,3 % aller Patienten in externe Kliniken verlegt. Die Quote für die Qualitätsindikatoren veränderten sich wie folgt: Zerebrale Bildgebung von 46,5 auf 96,4 %, Duplexsonographie 43,5 auf 72,8 %, Logopädie von 0 auf 50,8 % und Ergotherapie von 0 auf 33,4 %. Ein Jahr nach Klinikaufnahme waren 18,9 % der Patienten des Vergleichszeitraumes und 17,1 % der TEMPiS-Patienten verstorben, 10,2 % versus 6,1 % der Patienten lebten in einem Heim.
Folgerung: Durch die Einbindung in das TEMPiS-Konzept konnte die Prozessqualität der Schlaganfallbehandlung im Sinne nationaler und internationaler Empfehlungen erheblich verbessert werden. Die Versorgungssituation nach einem Jahr legt eine Prognoseverbesserung nahe.
Summary
Background: Although treatment in a stroke unit has been proven to be effective, most stroke patients in rural areas have no access to it. The community hospital of Ebersberg (Bavaria/Germany) joined the Telemedic Project for Integrative Stroke Care (TEMPiS) in order to optimize the quality of stroke care. This analysis focuses on changes in stroke management using generally accepted indicators for quality of acute stroke treatment.
Methods: The core elements consisted of the setting up of a stroke ward in the community hospital, continual stroke education and a 24-hour telemedical consultation service offered by stroke centers. Treatment of stroke patients was documented during two 12-months periods before the project was started start (i.e. retrospectively) and during the course of the project (prospectively). In addition, data on fatal outcome and institutionalization of patients who had lived at home before the qualifying event were collected 12 months after stroke onset.
Results: There were 299 admissions for stroke or transient ischemic attacks between 1 Nov 2001 and 31 Oct 2002, and 305 between 7 July 2003 and 6 June 2004. Length of in-hospital stay decreased from 12.1 to 9.2 days. More patients (10.3 vs. 1.3%) were transferred to other acute hospitals during the later period. Indicators for stroke care quality improved: numbers of cerebral imaging rose from 56.5% to 96.4%, of duplex sonography of cervical arteries from 43.5 to 72.8 %, of speech therapy from 0% to 50.8% and of occupational therapy from 0 to 33.4%. One year after admission, 18.9% and 17.2%, respectively, of the patients had died, while 10.2% and 6.1% were living in institutions.
Conclusion: Participation in the TEMPiS network substantially improved stroke care quality according to national and international guidelines. These improvements may lead to a better prognosis after a stroke.
Schlüsselwörter
Schlaganfallversorgung - Telemedizin
Key words
stroke care - telemedicine