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DOI: 10.1055/s-2007-972774
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Allergische Rhinitis - Konjugationsimpfstoff als neue Therapieoption
Publikationsverlauf
Publikationsdatum:
03. April 2007 (online)
Die bisherige Standardtherapie allergischer Erkrankungen mittels Desensibilisierung ist nicht nur logistisch aufwendig, sondern teilweise auch mit problematischen Nebenwirkungen behaftet. Ein neuer therapeutischer Ansatz besteht darin, die Betroffenen mit einem Impfstoff aus immunstimulatorischen DNA-Sequenzen zu behandeln, die an spezifische Allergene - etwa Pollenantigen - konjugiert sind. Diese neue Form der Immuntherapie wurde jetzt an Patienten mit allergischer Rhinitis getestet. N Engl J Med 2006; 355: 1445-1455
An der randomisierten doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-2-Studie, die in den Monaten Mai-Juni 2001 gestartet wurde, nahmen 25 Patienten (Alter 23-60 Jahre) teil. Alle litten an einer - per Hauttest gesicherten - Allergie gegen Ambrosiagewächse. 14 von ihnen erhielten vor der bevorstehenden Ambrosia-Saison insgesamt 6 wöchentliche Injektionen eines Impfstoffs aus Ambrosiapollen-Antigen, das an eine immunstimulatorische Oligodeoxyribonukleotid-DNA-Sequenz konjugiert war (AIC), die übrigen 11 Plazebo.
Primärer Endpunkt war die Wirkung des AIC-Impfstoffs auf Veränderungen der Gefäßpermeabilität nach nasaler Provokation mit Ambrosiapollen. Als Marker für die Gefäßdurchlässigkeit diente die Albuminkonzentration in der Nasenspülflüssigkeit. Sekundäre Endpunkte waren der während der Ambrosia-Saison per visueller Analogskala bestimmte Rhinitis-Score, bei dem u. a. die Zahl der Nieser, das Ausmaß der Schleimhautschwellung in der Nase, die Menge des Nasensekrets und der Juckreiz in Ohren, Nase und Rachen erfasst wurden, außerdem der täglich notierte Nasensymptom-Score (keine bis sehr ausgeprägte Symptome), der Lebensqualität-Score (von 0 [beste] bis 6 [schlechteste] Lebensqualität), der Einsatz von Medikamenten zur Verbesserung der Nasenatmung u.a. Um festzustellen, ob der Erfolg der AIC-Impfung länger als eine Saison anhielt, wurde der Nachbeobachtungszeitraum bei 17 der 25 Studienteilnehmer auch auf die nachfolgende Ambrosia-Saison ausgedehnt.
Die AIC hatte keinen Einfluss auf den primären Endpunkt, allerdings wurden bei den AIC-Geimpften während der ersten Ambrosia-Saison signifikant bessere Rhinitis-Scores sowie niedrigere Nasensymptom- und Lebensqualitäts-Scores im Vergleich zur Plazebogruppe festgestellt. Systemische Nebenwirkungen oder klinisch signifikante Veränderungen der Laborparameter traten unter der Immuntherapie nicht auf. Die AIC-Impfung führte zu einem nur leichten und vorübergehenden Anstieg des IgG. Der saisonale Anstieg spezifischer IgE-Antikörper wurde dagegen unterdrückt. Von der AIC-Impfung zehrten die Impflinge auch in der nachfolgenden Ambrosia-Saison: Sie hatten niedrigere Rhinitis-Scores, eine bessere Lebensqualität und brauchten auch in der Hochsaison seltener Medikamente zur Symptomlinderung.
Ob die AIC-Impfung den etablierten Behandlungsmaßnahmen bei allergischen Erkrankungen tatsächlich überlegen ist und auch bei längerer Anwendung als sicher gelten kann, müssen nun groß angelegte Phase-II-Studien zeigen, so die Autoren.