Nicht nur die interventionelle Kardiologie, sondern auch die antithrombotische Behandlung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Allein die Rate an tödlich verlaufenden Reokklusionen nach erfolgreicher Revaskularisierung sank im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte durch immer effizientere antithrombotische Strategien um gut zwei Drittel. Mit der Anzahl und der Potenz antithrombotisch wirksamer Substanzen steigt aber auch das Blutungsrisiko - und dies limitiert die Erfolge, die Mortalität nach einem akuten kardiovaskulären Ereignis weiter zu senken.
Wie gefährlich größere Blutungen für den ACS-Patienten sind, verdeutlichte Prof. Hans-Jürgen Rupprecht, Rüsselsheim, anhand der Daten aus dem GRACE[1]-Register: Sie erhöhen die Krankenhaussterblichkeit von 5,1 auf 18,6 %. Auch die OASIS[2]-Registerdaten belegen einen kontinuierlichen Anstieg der blutungsbedingten Mortalität innerhalb von 30 Tagen von 2,5 % bei Patienten ohne Blutungen bis zu 12,8 %.
Neuer Ansatz zur antithrombotischen Prophylaxe nach ACS
Ziel muss eine möglichst effektive Thromboseprophylaxe mit einem geringen Blutungsrisiko sein. Eine Substanz, in die Rupprecht große Erwartungen setzt, ist Fondaparinux (Arixtra®). Die Zulassung dieses direkten Hemmstoffs des Faktors Xa zur antithrombotischen Prophylaxe nach einem akuten Koronarsyndrom wird in Kürze erwartet.
Denn in der OASIS-5-Studie war die antithrombotische Prophylaxe nach einem akuten Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTEMI) unter Fondaparinux ähnlich effektiv wie unter Enoxaparin - bei jedoch fast halbierten Blutungsraten (2,2 versus 4,1 %). Dementsprechend waren sechs Monate nach dem akuten Ereignis in der Fondaparinuxgruppe 64 Patienten mehr am Leben als in der Vergleichsgruppe. Bei 61 Patienten (95,3 %) lasse sich dies auf die geringeren Blutungsraten zurückführen, betonte Rupprecht.
Im Vergleich mit unfraktioniertem Heparin bei Patienten mit ST-Elevationsinfarkt (STEMI) im Rahmen von OASIS 6 wiederum sanken bei einer vergleichbaren Rate an Blutungskomplikationen unter Fondaparinux das Mortalitäts- und das Reinfarktrisiko von 11,2 auf 9,7 %. Das entspricht immerhin einer relativen Risikoreduktion um 14 % nach 30 Tagen.
Quelle: Presseinformation "Fondaparinux beim akuten Koronarsyndrom - Weniger Blutungen bei besserer Antikoagulation"