Kernaussagen
Umgebung
Grundsätzlich stellt die Umgebung des Patienten kein
relevantes Erregerreservoir für nosokomiale Infektionen dar, denn die
Tatsache, dass Mikroorganismen auf Flächen in der Umgebung des Patienten
zu finden sind, ist kein Indiz dafür, dass dadurch auch Infektionen
hervorgerufen werden. Entscheidend ist, an welchen Körperstellen ein
Kontakt mit potenziell pathogenen Mikroorganismen stattfindet. Derartige
Kontakte an empfänglichen Körperstellen (z. B.
Venenkathetereinstichstelle, postoperative Wunde) zu verhindern, kann durch die
Maßnahmen der Standardhygiene erreicht werden.
Leitungswasser
Leitungswasser (und daraus hergestelltes Eis) kann ein
potenzielles Erregerreservoir für nososokomiale Infektionen sein.
Maßgeblich ist aber die Art des Wasserkontaktes: Offene Wunden
können z. B. eine Eintrittspforte darstellen. Leitungswasser darf
wegen der natürlichen Besiedlung mit potenziellen Infektionserregern, wie
z. B. gramnegativen Wasserbakterien, nicht zum Vernebeln verwendet
werden, da sonst kontaminierte Aerosole in die Lunge inhaliert werden
könnten. Die Mikroaspiration von Leitungswasser kann dazu führen,
dass Legionellen in die Tiefe der Atemwege gelangen und zur Legionellose
führen.
Oberflächen
Oberflächen in der Umgebung des Patienten
(Nachtkästchen, Tische, Türklinken etc.) sind immer mikrobiell
kontaminiert. Sie müssen stets optisch sauber sein, jedoch sind über
eine effektive Reinigung hinaus gehende desinfizierende Maßnahmen nicht
erforderlich, solange keine Kontamination mit Patientenmaterial (Stuhl, Blut,
Eiter etc.) stattgefunden hat. Bei Patienten mit multiresistenten Erregern
(z. B. MRSA) wird eine routinemäßige desinfizierende
Reinigung der Oberflächen im Patientenzimmer allgemein für sinnvoll
gehalten, obwohl nicht bekannt ist, inwieweit diese Maßnahme
tatsächlich zur Prävention der Erregerübertragung beitragen
kann.
Eine Einschränkung regelmäßiger gründlicher
Reinigung – zur Senkung vor allem der Personalkosten in vielen Kliniken
anzutreffen – kann nicht durch die Verwendung von
Desinfektionsmittelzusätzen ausgeglichen werden.
Bauart und technische Einrichtungen
Die bauliche Struktur eines Krankenhauses (inkl. spezieller
Bereiche wie Intensivstationen und Operationsabteilung) hat keinen Einfluss auf
das Infektionsrisiko der Patienten.
Technische Einrichtungen, wie z. B. raumlufttechnische
(RLT-)Anlagen, können bei fehlerhafter Funktion zu einer
Erregerverbreitung beitragen, die ohne diese Einrichtung nicht möglich
wäre: So kann eine falsche Luftführung bei RLT-Anlagen dazu
führen, dass Infektionserreger aerogen verbreitet werden, die unter
natürlichen Umständen nicht via Luft übertragen werden.
Umgebungsuntersuchungen
Die Ergebnisse mikrobiologischer Umgebungsuntersuchungen
müssen Hinweise auf ein konkretes Übertragungsrisiko geben
können, anderenfalls sind solche Untersuchungen nicht sinnvoll.
Möglicherweise sind z. B. die routinemäßige Untersuchung
von Endoskopen, von Dialysierflüssigkeit und von Wasser für
Bewegungs- und Therapiebecken sinnvoll; die Notwendigkeit dafür wird
jedoch unterschiedlich gewichtet. Ansonsten bleiben Umgebungsuntersuchungen
speziellen Fragestellungen im Rahmen von Ausbrüchen vorbehalten.
Tiere
Normalerweise trifft man im Krankenhaus keine Tiere, wie
z. B. Hunde, an. Gerade Hunde aber sind für blinde Patienten als
Blindenführhunde unverzichtbar und müssen deshalb bei ambulanter
Versorgung des Patienten mit ins Krankenhaus kommen. Aber auch ein
(kontrollierter) Hundebesuch (z. B. bei chronisch kranken Kindern) oder
„Therapiehunde” für demente Patienten und sogar für
komatöse Intensivpatienten sind bei entsprechender Organisation
möglich.