In den letzten Jahren hat sich die Versorgung von Schlaganfallpatienten deutlich verbessert - angefangen von der Einführung der Schlaganfallstationen (Stroke Units), über die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) innerhalb von 24 Stunden nach dem Insult, einer Dekompressionsoperation bei besonders schweren Fällen (1-2 % der Patienten) bis hin zur Thrombolyse mit dem rekombinanten Gewebe-Plasminogen-Aktivator (rt-PA) Alteplase (Actilyse®) - dem einzigen zugelassenen Fibrinolytikum für die Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls.
Frühe Thrombolyse ist ein wichtiger Therapiebaustein
Mithilfe von rt-PA können die durch Thromben verschlossenen Zerebralarterien innerhalb von Minuten wieder eröffnet werden, vorausgesetzt, die systemische Fibrinolyse erfolgt so schnell wie möglich - genauer gesagt innerhalb eines Drei-Stunden-Zeitfensters nach dem Einsetzen der Schlaganfallsymptome, so das Ergebnis einer Metaanalyse der Studien ECASS[1] I und II, NINDS[2] und ATLANTIS[3].
Besonders ausgeprägt ist der Nutzen der rt-PA-Therapie jedoch bei einer Behandlung innerhalb von 90 Minuten. In der NINDS-Studie verbesserten sich bei 50 % der Patienten, die in diesem Zeitfenster behandelt wurden, die Symptome auf der NIHSS[4]-Skala um mindestens 4 Punkte innerhalb von 24 Stunden. Unter Placebo erreichten dies nur 42 % der Patienten. "Es geht immer um die Zeit"; so Hacke. "Der Effekt der Lyse ist nach 90 Minuten etwa doppelt so groß wie nach drei Stunden!"
Erfolgreiches Schlaganfallmanagement in der Stroke Unit
Einen großen Einfluss auf die Prognose der Schlaganfallpatienten hat auch deren Einweisung in eine Stroke Unit, so Hacke. Damit lasse sich die Mortalität der Patienten um 3-4 % und die Einweisung in ein Pflegeheim um 2 % reduzieren. Parallel erhöhe sich das unabhängige Überleben um 5 %. Dies ist insbesondere auf die besseren Bedingungen für die Anwendung der Lysetherapie zurückzuführen.
In Deutschland profitiert derzeit bereits die Hälfte aller Schlaganfallpatienten von einer solchen Therapie in einer der inzwischen eingerichteten gut 180 Stroke Units. "Allerdings gibt es noch immer rund 120 Kliniken in Deutschland, die in ihrer neurologischen Station noch keine Stroke Unit etabliert haben", so Hacke.
Vorhandene Optionen konsequent ausnutzen
Auch wenn es heute bei der Akuttherapie unserer Schlaganfallpatienten immer noch eher darum gehe, den Schaden zu begrenzen, "haben wir etwas zu bieten!", schloss Hacke. "Wenn wir dies den Patienten zugänglich machen, dann wäre schon viel geholfen."