KJP up2date 2026; 03(01): 37-57
DOI: 10.1055/a-2619-2194
Symptome und Syndrome

Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen

Neue S3-Leitlinie für die Behandlung im Alter von 12–18 Jahren

Authors

  • Svenja Taubner

  • Jutta Stoffers-Winterling

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist bereits ab einem Alter von 12 Jahren diagnostizierbar. Als einzige Persönlichkeitsstörungskategorie wird die BPS im neuen Klassifikationssystem des ICD-11 weitergeführt. In diesem Beitrag finden Sie die wichtigsten Empfehlungen und Begründungen der neuen S3-Leitlinie zu Diagnostik, Interventionen und Settings zur Behandlung von Jugendlichen und deren Angehörigen mit Fallbeispiel.

Kernaussagen
  • Erstmals ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine evidenzbasierte klinische S3-Leitlinie für das deutsche Versorgungssystem verfügbar.

  • Die Leitlinie empfiehlt die Diagnose und Behandlung einer BPS im Falle des Erfüllens ab einem Alter von 12 Jahren und eine indizierte Prävention für eine subsyndromale BPS.

  • Die Diagnostik sollte unter Berücksichtigung des Alters und Entwicklungsstands erfolgen und anhand von strukturierten Interviews erhoben werden.

  • Die Diagnose ist den Betroffenen und, ihr Einverständnis vorausgesetzt, auch den Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen mitzuteilen und zu erläutern.

  • Wenn es therapeutisch sinnvoll ist, sollten Angehörige in die Erstellung und Umsetzung von Krisenplänen einbezogen werden.

  • Störungsspezifische, strukturierte Psychotherapieansätze oder -methoden sind auch für Jugendliche die Behandlung der ersten Wahl.

  • Therapeutische Wohngruppen sollten ebenfalls in störungsspezifischen Interventionen geschult und supervidiert werden.

  • Eine alleinige medikamentöse Behandlung der BPS wird nicht empfohlen; Medikamente sollten unter der Berücksichtigung drohender Suizidalität kritisch geprüft werden, besonders weil hierzu keine Studien für Jugendliche vorliegen.

  • Unstrukturierte, störungsunspezifische stationäre Behandlungen sind zu vermeiden.

  • Aufgrund der komplexen Lebenswelten von Jugendlichen sollten möglichst viele wichtige Akteure in die Therapie einbezogen werden (z.B. Lehrkräfte und Peers).



Publication History

Article published online:
22 January 2026

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