Notfall & Hausarztmedizin 2009; 35(8/09): 442
DOI: 10.1055/s-0029-1239625
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Jetzt auch auf grünem Rezept - Kurzzeitige Selbstmedikation für GERD-Patienten jetzt möglich

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Publication Date:
11 September 2009 (online)

 
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Beim Management der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) steht heute die medikamentöse Therapie im Vordergrund, meinte Prof. Jürgen Riemann, Ludwigshafen. Dabei sind Protonenpumpenhemmer (PPI) inzwischen dank ihrer nachweislich hohen Aktivität und der guten Verträglichkeit Mittel der 1. Wahl - sowohl in der Akut- als auch in der Langzeittherapie. "H2-Blocker sind heute in der Akuttherapie out, Antazida nur knapp besser als Placebo", betonte Dr. Roland Ott, München.

Step-down: nach hoher Dosis, Erhaltungsdosis und Bedarfstherapie

Bei Patienten mit häufigen und starken Beschwerden verfährt man dabei nach dem "Step-down-Konzept": Initial erhält der Patient also einen hoch dosierten Protonenpumpenhemmer (40-80 mg) über 4, teilweise auch bis zu 8 Wochen. Mit einem potenten Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol erreicht man mit diesem Vorgehen eine Heilungsrate von über 90 %. Allerdings sind Rezidive bei der Refluxkrankheit häufig, sodass anschließend meist eine längerfristige PPI-Therapie in einer Dosierung von 20 mg erforderlich ist.

Zeigt ein Auslassversuch, dass ein Patient nur episodische Symptome hat und ansonsten länger beschwerdefrei ist, kann zu einer Bedarfstherapie ("on demand") gewechselt werden, bei der der Patient alle 2-3 Tage eine PPI-Dosis einnimmt, riet Ott. Jetzt kann der Arzt bei solchen Patienten auch eine kurzzeitige Selbstmedikation einleiten. Die Patienten müssen sich dann erst mit ihm in Verbindung setzen, wenn sich die Symptome wieder verschlechtern.

Voraussetzung für die Selbstmedikation: geringes Interaktionspotenzial

Medikamente, die langfristig und in der Selbstmedikation eingesetzt werden, sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine davon ist ein geringes Interaktionspotenzial, da Patienten dem Arzt oder Apotheker nur selten offenlegen, welche Arzneimittel sie ansonsten noch einnehmen. Wie Prof. Tammo von Schrenck, Hamburg, betonte, ist Pantoprazol bezüglich metabolischer Wechselwirkungen gut untersucht.

So ergab ein umfangreiches Studienprogramm, in dem potenzielle Interaktionen von Pantoprazol bei gleichzeitiger Verabreichung von über das Cytochrom-P450-System verstoffwechselten Referenzsubstanzen geprüft wurden, keine Hinweise auf klinisch relevante Veränderungen pharmakokinetischer oder pharmakodynamischer Parameter. Anders ist dies für Omeprazol, das für seine zahlreichen Wechselwirkungen mit häufig eingesetzten Arzneimitteln wie Benzodiazepinen, Cumarinderivaten, Makroliden oder Johanniskraut bekannt ist.

Auch der Einsatz von Pantoprazol als verschreibungspflichtiges Arzneimittel über inzwischen 15 Jahre gilt als Argument für die mögliche rezeptfreie Abgabe der Substanz. Belegen doch die umfassenden Erfahrungen aus dieser Zeit ihre Sicherheit. Weltweit wurden bereits mehr als 650 Millionen Patienten mit Pantoprazol behandelt.

Rascher und lang anhaltender Effekt, geringer Tablettenverbrauch

Als günstig bewertete von Schrenck zudem den raschen Wirkeintritt und die lang anhaltende Wirksamkeit von Pantoprazol. Dank der hohen Bioverfügbarkeit der Substanz schon am ersten Einnahmetag ist die Hälfte der Patienten bereits nach dem ersten Behandlungstag beschwerdefrei. Zudem wirkt Pantoprazol sicher über 24 Stunden und befreit die Patienten somit auch von nächtlichen Symptomen.

Von Schrenck erklärte diese lang anhaltende Säurehemmung mit der zusätzlichen Bindungsstelle des Protonenpumpenhemmers im Innern des Protonenpumpenkanals. "Damit wird durch Pantoprazol eine beständigere Symptombefreiung als mit anderen Protonenpumpenhemmern erreicht", so von Schrenck.

Dieser schnelle Wirkeintritt und die lange Wirksamkeit schlagen sich zudem in einem signifikant geringeren Tablettenverbrauch nieder. GERD-Patienten, die langfristig mit 20 mg Pantoprazol behandelt wurden, benötigten im Schnitt 23 % weniger Tabletten als unter einem Omeprazolgenerikum (20 mg), so das Fazit einer gesundheitsökonomischen Analyse (Abb. [1]; [1]). Der mittlere Tablettenverbrauch in der bedarfsorientierten Therapie mit Pantoprazol liegt bei nur 0,34 pro Tag. Dennoch werde eine hervorragende Symptombefreiung erreicht, so von Schrenck.

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Abb. 1 Geringerer durchschnittlicher Tablettenverbrauch bei GERD mit Pantoprazol im Vergleich zu Omeprazolgenerika. nach [1]

PPI-Bedarfstherapie = Option für grünes Rezept

Mit der Zulassung von Pantoprazol als rezeptfreies Produkt (Pantozol control®) im Juni dieses Jahres hat der Arzt jetzt die Möglichkeit, den Protonenpumpenhemmer über ein grünes Rezept zu empfehlen und so beim Budget zu sparen, konstatierte Ott erfreut. Geeignet ist dieses Vorgehen für Patienten, die nur gelegentlich eine Bedarfstherapie benötigen. Auch bei Patienten mit leichten, aber durch Antazida nicht ausreichend kontrollierten Refluxsymptomen ist die Empfehlung des neuen OTC-Präparates über ein grünes Rezept gut geeignet.

Dr. Katharina Arnheim, Freiburg

Quelle: Fachpressegespräch "Protonenpumpenhemmer ohne Rezept: Neue Optionen für Arzt und Apotheker", veranstaltet von der Nycomed GmbH, Konstanz.

Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung der Nycomed GmbH, Konstanz.

Die Autorin, Dr. Katharina Arnheim, ist freie Journalistin.

Literatur

  • 01 Schöffski O . et al . Gesundh Ökon Qual Manag. 2008;  13 228-233

Literatur

  • 01 Schöffski O . et al . Gesundh Ökon Qual Manag. 2008;  13 228-233
 
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Abb. 1 Geringerer durchschnittlicher Tablettenverbrauch bei GERD mit Pantoprazol im Vergleich zu Omeprazolgenerika. nach [1]