Journal Club AINS 2018; 7(01): 52-56
DOI: 10.1055/s-0043-122259
Leitlinien in der Praxis
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

ESA-Empfehlungen zum Management perioperativer Blutungen – 1. Aktualisierung

Heiko Lier
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Publication Date:
09 March 2018 (online)

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Gegenwärtig ist in kaum einem anderen klinischen Bereich der Erkenntnisgewinn so rasant wie im Bereich der Gerinnung. Im Juni 2017 publizierte die Europäische Gesellschaft für Anästhesiologie (ESA) die Leitlinie zum Management von schweren perioperativen Blutungen [1]. Damit wurden die initialen Empfehlungen aus dem Jahre 2013 [2] erstmals aktualisiert. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten neuen Empfehlungen und Veränderungen zusammen.

Kernaussagen
  • Der Erkenntnisgewinn im Bereich der Gerinnung ist in den letzten Jahren rasant, die Zahl der Publikationen sehr groß – dennoch sind weiterhin kaum wirklich eindeutige Angaben in der Gerinnungstherapie möglich (1A-Empfehlungen).

  • Die strukturierte Gerinnungsanamnese (standardisierter Fragebogen) ist die Basis der perioperativen Gerinnungsdiagnostik. Standard-Labortests werden präoperativ nur bei positiver Gerinnungsanamnese oder bestehender Gerinnungsstörung empfohlen.

  • Große Einigkeit besteht hinsichtlich einer restriktiven Transfusionsstrategie, die aufgrund der Reduktion von Fremdbluttransfusionen vorteilhaft ist.

  • Die aktualisierte Leitlinie enthält auch detaillierte Aussagen zum „Management der Anämie“ im Sinne einer europäischen Leitlinie zum „Patient Blood Management“ – dies war seit 2011 eine Forderung der WHO.

  • Die ESA-Leitlinie zum Management schwerer perioperativer Blutungen bietet Entscheidungshilfen, die auf dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft basieren. Sie ermöglicht die Behandlung von Blutungen auf der Grundlage einheitlicher europäischer Empfehlungen.